Lismerei in der Mongolei: 15’309 km – 18’043 km

Kilometer 15’309

Es ist nun soweit: Die lang ersehnte Mongolei liegt in Greifnähe. Nachdem wir den offiziellen Teil der Rally abgeschlossen haben, treffen wir in Ulan-Ude die letzten Vorbereitungen für die Mongolei. Wir ziehen unsere Adidas-Trainer an (schliesslich sind wir noch in Russland), verabschieden uns vorübergehend von Lenin, der uns mit seinem wachsamen Blick stetig begleitet hat und fahren Richtung Mongolei los. Wir sind sehr gespannt und eine euphorische Stimmung macht sich im kleinen Panda breit. Die Grenze erreichen wir kurz nach Sonnenuntergang. Ob es 2 oder 10 Stunden dauern wird, wissen wir nicht. Wir sind auf alles eingestellt.

Kilometer 15’563

Nach langem Anstehen vor dem Grenzübergang und beim Custom Control, erwarten die Grenzbeamten auf russischer Seite, dass wir, wie alle anderen Grenzgänger, das Auto ausräumen und die Motorhaube öffnen. Wir öffnen die Motorhaube und stellen uns etwas dumm. „Wie, was sollen wir mit dem Gepäck machen?“. Ab und zu holen wir einen Schlafsack oder ein Stativ aus dem Kofferraum. Fleissig wird von uns alles auf Berndeutsch kommentiert. Wir weisen die Beamten immer wieder auf unseren ach so tollen Habseligkeiten, wie die Russenmützen oder den Aktenkoffer hin. Nach einer Weile geben sie es auf stempeln unser Zollpapier ab. Nachdem das tolle Stempelgeräusch erklingt, machen wir uns auf, die mongolischen Grenzbeamten mit unserer Anwesenheit zu bereichern.

Nach diversem Papierkram und einigen sich vordrängenden Mongolen überqueren wir die Grenze mit ca. 800’000 Resus (shout out to Resu Schöni), welche wir direkt an der Grenze wechseln konnten.

Es ist Nacht und sehen also noch nichts von der Mongolei. Wir fahren noch einige Kilometer und stellen unsere Zelte irgendwo auf einem abgeerntetem Feld auf.

Am nächsten Tag wachen wir gespannt auf, verlassen unsere Zelte und wir realisieren, dass wir uns in der Toscana befinden. Der einzige Unterschied sind die Kamele und die Rossherden. Nach dem obligaten Porridge und dem neu ergattertem Kaffe im Russischen Globus machen wir uns auf dem Weg in die Hauptstadt Ulaanbaatar.

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Wo geht’s hier zum Weingut?

Ulanbaatar ist gross und die Strassen vielbefahren. Der Panda schlängelt sich zwischen den vielen Toyota Priüssern durch alle sich öffnenden Lücken. Wir verzichten aufs Kochen und gönnen uns etwas in einem Restaurant eines Kaufhauses. Es ist bereits dunkel, als wir erneut losfahren. Das wahrscheinlich letzte Mal fahren wir ostwärts zum „Dschingis-Khan-Komplex“ – einer übertrieben grossen Statue des erwähnten Herren auf einem Pferd und das ganze in Edelstahl. Nach einigen Kilometern sehr holpriger (Fäbu meint etwas von „die anstrengendsten 20 Kilometer der ganzen Rally.“ Die Tatsache, dass es geregnet hat, der linke Scheinwerfer den Geist aufgegeben hat und die Scheibenwischer immer noch nicht benutzt werden dürfen, weil wir ja schliesslich auf einer Rally sind, haben sicher ihren Teil dazu beigetragen.) Strasse erreichen wir nur 200 Meter vom Komplex entfernt einen ebenen Platz für unsere Zelte. Wir stellen den Wecker auf Sonnenaufgang, im Morgenlicht soll es besonders schöne Drone-Shots, die zwar dort verboten sind Bilder geben.

Kilometer 15’966

Der Wecker klingelt, wir müssen uns gar nicht aus dem Zelt bewegen, um das für Fotos ungeeignete Wetter zu ermitteln: Es prasselt auf unsere Zelte. Snooze auf 30 Minuten. Dann kitzeln einige Sonnenstrahlen an unseren Zelten, jedoch erübrigt sich auch hier der Gang nach draussen. Es windet so fest, dass die Drohne nicht steigen kann kaum brauchbare Fotos möglich sind. Irgendeinmal im Verlauf des Morgens sind die Bedingungen dann doch in Ordnung. Es gibt Porridge und Kaffee währendem Fabian schöne Bilder einfängt.

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Baba Dschingis von oben.
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Baba mit goldener Gerte und die drei kleinen Babas.

Der Komplex selber begrüsst uns mit einem Schild, dass Foto-, Video-, und Drohnenaufnahmen verboten sind. Cool. Wir besteigen den Pferdekopf und schiessen ein paar Fotos vor Baba Dschingis. Zu viel Zeit wollen wir aber nicht beim Edelstahlkoloss verbringen, es steht nämlich wichtigeres auf dem Programm: Der Besuch bei Bayasgalant.

Doch zunächst müssen wir einen wichtigen Punkt auf unserer Mongolei-Dodo-Liste abhaken. Wir brauchen ein geeignetes Outfit! Der Tripoloski-Look gehört definitiv den Russen und wir brauchen für die Mongolei etwas anderes. An der Grenze am Tag zuvor haben wir dafür die mit uns wartenden Mongolen mit Argusaugen beobachtet, um unser Wunschoutfit zu finden. Und tatsächlich haben wir eine Gruppe älterer Mongolinnen ausgemacht, deren Kleider genau unserem Geschmack entsprochen haben. Wir haben natürlich sofort Fäbeler nach vorne geschupst, da der am Besten mit älteren Frauen flirten ins Gespräch kommen kann und es funktioniert. Febler macht den Damen auf Berndeutsch Komplimente und kommt wenig später mit der Information zurück, dass die Kleider „new“ und aus „Ulaanbaator“ seien. Und hier sind wir nun, vor den Toren Ulaan-Baators und haben die Mission „Lismer“ vor uns. Wir klappern also verschiedenste Kleiderläden ab und werden in unserer Euphorie etwas gebremst. Wir finden nur typische „H&M-Mode“ und somit nicht das was uns vorschwebt. Wir betreten eine weitere Markthalle und finden den grössten Kleiderladen, der wir je gesehen haben. Auf mehreren Etagen reihen sich die Verkaufsstände in endlosen Korridoren und wir werden schier erschlagen von der Auswahl. Kurz bevor wir die Suche enttäuscht aufgeben, finden wir tatsächlich einen Marktstand mit Wollkleidern „Made in Mongolia“. Wir können die Verkäuferin dazu überreden, uns auch das Jäggli zu zeigen, das „only woman“ ist und kaufen dann alle unser Wunschoutfit.

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Und wo sind die Lismer?
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Jackpot.

Glücklich, mit unseren Einkäufen im Panda verstaut, fahren wir durch die Prius-Lawine aus dem Stadtzentrum heraus, um die Kinderhilfe Bayasgalant zu besuchen. Wir begegnen dort vielen lieben Menschen und superherzigen Kindern und freuen uns sehr, dass wir für diese Organisation Spenden sammeln können.

Kilometer 16’050

Wir rumpeln mit dem Panda aus der Hauptstadt hinaus und freuen uns sehr, als wir die letzten grossen Häuser hinter uns lassen und uns die Mongolei begrüsst, wie wir sie uns vorgestellt haben. Eine Strasse, die durch Ebenen und über die sanften Hügelzüge führt, links und rechts von uns immer wieder grasende Gruppen von Pferden, Kühen, Schafen oder Kamelen. Immer wieder grosse Falken, die neben uns im Wind gleiten, genau so haben wir uns das gewünscht.

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Kamele schauen verwundert in die mongolische Landschaft.

Wir fahren durch diese Landschaft, geniessen den Anblick, steigen ab und zu für ein Foto aus und freuen uns auf jedes neue Lied in Lüssus Playlist. Wir haben zu Beginn der Mongol-Rally die Regel aufgestellt, dass nie ein Lied übersprungen werden darf. Damit es uns nicht langweilig wird, haben wir möglichst viele verschiedene Lieder heruntergeladen, die wir in den letzten 60 Tagen auch fleissig gehört haben. Und irgendwann hat man es dann auch gehört. Alle. Mehrmals. Ausser die guten, die kommen ja nie, wenn die Playlist zufällig abgespielt wird.

Für die Mongolei haben wir, um ein wenig Abwechslung zu bekommen, also die Playlist von unserem guten Freund Lüssu runtergeladen, die wir nun brav, ohne ein Lied zu überspringen durchhören. Über 1000 Lieder warten auf uns. Bis jetzt hat er uns noch nicht enttäuscht.

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Lüssus Playlist erfreut Momo und Mätteli.
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Fäbu kümmert sich unterdessen um sein das Spielzeug.

Als die Dämmerung einsetzt, suchen wir uns einen geeigneten Schlafplatz und machen, was uns Resu tunlichst abgeraten hat und kraxeln mit dem Bergziegen-Panda den Hügel hoch. Auf den höchsten Punkt. Irgend ein primitives Areal in unserem Stammhirn freut sich ungemein und macht uns alle super stolz, als wir dort oben stehen und auf die Umgebung herunter blicken können. Im kitschigen Abendrot lassen wir die Drohne steigen geniessen wir den Moment und stellen dann auf dem steinigen Untergrund unsere Zelte auf.

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Zeltstellen auf dem Hügel.
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Lismermätthu im Abendrot.

 

Kilometer 16’386

Ja, Resu hat uns davon abgeraten auf dem höchsten Punkt die Zelte aufzuschlagen. Nicht etwa, weil er uns die traumhafte Aussicht missgönnt hätte, nein, „es luftet de wine Sou“ waren die weisen Worte, die wir sprichwörtlich in den Wind geschmissen haben. Dieser Wind rüttelt und zerrt nun, seit dem sehr frühen Morgen an unseren Zelten und pustet uns fast ab der Klippe, als wir es nach draussen wagen. Das Aufräumen wird zum Kampf, doch wir schaffen es mit vereinten Kräften alles in den Panda zu schmeissen, um diesen wieder den Hügel runter jagen und unsere Reise gen Westen fortzusetzen.

 

Kilometer 16’582

Wir erinnern uns an die Tage in Sibirien, als die Tage verschwommen sind: Immer Regen, immer nass, immer kalt. In der Mongolei verschwimmen die Tage ebenfalls, aber keineswegs im negativen Sinne. Hinter jeder Kuppe eröffnet sich uns von Neuem ein Blick auf die sanften Hügel und riesigen Weiten der Mongolei. Wir kommen nicht aus dem Staunen heraus. Wir pflichten alle Fäbu bei, als dieser meint „Genau so heimernis das ja vorgsteut, oder?“ Glückselig schnurrt der Motor des Pandas, als wir über die noch relativ guten Strassen schweben. Unterwegs entweicht Mätteli plötzlich ein „Halt an, halt an, halt an!“ Mondi stoppt den Panda, Mätteli stürmt heraus und stemmt 10 Meter von der Strasse entfernt einen Kuhkopf in die Höhe. Wir hätten ja gerne einen Kuhschädel an unserem Panda montiert, aber die mongolische Steppe hat uns einen ganzen Kopf gegeben der noch fürchterlich stinkt. Der Kopf wird also ans Auto gebunden und der Panda trägt unsere Elsa fortan stolz zur Schau.

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Panda mit Elsa.

Unterwegs erklimmen wir einen Pass, auf dessen höchstem Punkt ein grosses Ovoo steht. Dies sind Steinhaufen mit einem Stab in der Mitte, der mit farbigen Tüchern geschmückt ist. Diese Gebilde sind überall in der Mongolei anzutreffen und können ganz klein, oder mehrere Meter hoch und reich geschmückt sein. Es ist üblich, dass bei diesen Ovoos den Geistern gedankt wird, indem der Altar dreimal umkreist wird. Bei jedem Umgang wird etwas als Opfergabe abgegeben und auf den Ovoo gelegt.

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Etwas windschiefes Ovoo.

Natürlich halten wir uns an diese Regel, schnappen uns je drei schöne Steine oder Blumen, laufen andächtig um den Ovoo herum und platzieren dabei unsere Opfergaben. Als wir zum Panda zurückkehren, scheint uns, als würden wir in den Baby-Äuglein San Mauros etwas enttäuschtes und eingeschnapptes aufblitzen sehen. Beim zweiten Hinsehen betrachtet er uns wieder gewohnt kühl und erhaben aus dem Seitenfenster, wir zucken mit den Schultern und setzen unsere Fahrt fort.

Immer wieder suchen wir den Horizont nach dem Tier ab, das wir bisher noch nicht entdeckt haben. Das Yak. Immer wider ruft jemand „Hier! Hier!“, wobei sich die Entdeckung bei näherem Hinsehen meistens als etwas pelzige Kuh entpuppt. Doch bald finden wir was wir suchen. Perfekt arrangiert, an einem grünen Flussbett, mit dem Mongolei-Zeichen riesig auf dem Berg dahinter, stehen einige Yaks zusammen mit Kühen und grasen. Wir schlüpfen in unsere komplette Mongolei-Montur und schaffen es nach einigem Umherrennen dank des Selbstauslösers und Yaks hin- und her scheuchen, ein Beweisfoto für die Nachwelt zu schiessen.

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Die drei sind da, wo sie hingehören.

Am Abend verlassen wir die Hauptstrasse, fahren in einer Gerade über die Wiese zum gewünschten Zeltplatz und verfallen in die gewohnte Routine: Zelte stellen, kochen, schlafen. Wie immer in der Mongolei kommt noch einer auf seinem Motorrad vorbei, vorwiegend aus Gwunder. „Eis müesster wüsse Giele. Dir sit nie alleini.“ O-Ton Resu.

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Fäbeler zeigt und der Mongole schaut.

Als der Mongole unsere Elsa entdeckt, fuchtelt der junge Mann wie wild mit den Armen und zeigt uns pantomimisch ein Tier vor. Kurz darauf düst der Mongole mit dem Töff weg und kommt kurze Zeit später mit einem Kollegen zurück, der uns auf der Ladefläche seines Lieferwagens zwei imposante Tierköpfe präsentiert. Besonders der eine Kopf gefällt uns, da dieser etwas weniger Fleisch am Knochen hat deutlich spezieller geformte Hörner als Elsa hat. Wir schlagen den Mongolen einen Tausch vor und Feilschen um einen möglichen Preis. Wir schlagen 3’000 Resus (CHF 1.20) vor, die Mongolen möchten jedoch gerne 300’000 Resus dafür haben. Wir lachen zusammen, stecken den beiden Einheimischen einige Zigaretten zu und verabschieden uns, um uns in die warmen Schlafsäcke zurück zu ziehen.

Der nächste Morgen begrüsst uns mit einem Novum auf der Rally: Als Mätteli sich aufrafft, um Porridge zu kochen bemerkt er einen weissen, kalten Schaum auf den Zelten. Seine körpereigenen Temperaturfühler bestätigen das Gesehene: Es ist kalt. Es ist Schnee. Im gemeinsamen Einvernehmen wird beschlossen, heute auf Porridge zu verzichten, da heute einer „dieser Tage“ ist. An einem solchen Morgen ist etwas für’s Gemüt nötig. Also gibt es Nesquik-Schoggibällchen mit Milch Joghurt (erst beim Öffnen gemerkt). Eine willkommene Abwechslung – Mätteli fühlt sich ab dem Joghurt so im Himmel, dass er kurzerhand das restliche weisse Gold herunterlöffelt.

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Schneemassen und gefrorene Elsa.

Kilometer 16’754

Weiter geht die Fahrt durch das weite Land. Zum Teil auf neuem (chinesischen) Asphalt, manchmal auch auf Gras. Offiziell ist die piekfeine Asphaltstrasse noch nicht eröffnet. Um das Befahren zu verhindern befinden sich in regelmässigen Abständen ganze Erdwälle auf der Fahrbahn. Selbstverständlich finden sich direkt daneben Schleichwege, um direkt dahinter wieder auf den Asphalt zu gelangen. Lediglich die Auf- und Abfahrten sind manchmal so steil, dass sogar klein Pandino aufsetzt. Dies bemerken jeweils der Fahrer und der Beifahrer als leichtes Hochdrücken ihrer Sitze. Irgendeinmal wird uns das ständige Umfahren zu bunt und machen es wie die Lastwägeler: Konsequent daneben auf Schotter/Gras fahren. Das schöne an den Grasweiten geniessen wir am Abend bei der Schlafplatzsuche: Jemand zeigt auf einen Hügel und sagt: „Dort will ich schlafen.“ Ohne Umwege führt uns der Panda wie an einer Schnur gezogen zum gewünschten Zeltplatz. Diesmal wird nicht der höchste Punkt angesteuert, sondern hinter dem Hügel, auf der windabgewanten, östlichen Seite. Wir werden belohnt mit einer herrlichen Aussicht bei schönstem Abendlicht.

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Fabern geniesst die Pasta im Abendrot.

Zum Znacht gibt es wie immer Teigwaren (nicht pampig, merci Mondi). Einzig ein Blick auf unsere Gasreserven dämpft unsere Freude etwas und zwingt uns zum Umdenken: Wir haben noch einen vollen Gasbehälter und einen fast leeren. Dies reicht noch für zweimal Teigwaren, zweimal Kaffee und einmal (warmen) Porridge. Wir nehmen es gelassen zur Kenntnis und geniessen die Pasta, um uns dann kurz nach dem Sonnenuntergang schlafen zu legen.

Die Nacht ist kalt, aber die Schlafsäcke spenden gerade genug Wärme, um ein Auge zudrücken zu können. Am Morgen ist dann auch unser Wasser gefroren. Mondi bereitet trotzdem ein warmes Porridge zu (schmeckt gut, merci Mondi). Bei Windstille und Sonnenschein fühlt es sich denn auch schon angenehm warm an. Alles taut etwas. Auch Elsa.

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Elsa hat gute Zähne aber leider noch viel Fleisch am Knochen.

Wir entsorgen opfern unsere Elsa einem Hügel, um die Kältegeister zu besänftigen. Dabei richten wir ihr auf dem höchsten Punkt des Hügels ein bequemes Plätzchen ein, wo sie die imposante Landschaft nach Osten hin, dem Geburtsort Tschingis Khans, für alle Ewigkeit überblicken kann. Als wir jedoch kurz vor dem Losfahren ein Blick zurück werfen, sind wir von dem Punkt der Ewigkeit nicht besonders überzeugt, da bereits mehrere sehr grosse Federtiere um den besagten Hügel kreisen.

Wir fahren den ganzen Tag auf einer mongolischen Hauptstrasse weiter Richtung Westen. Die Strassen bestehen aus etwas öfter befahrenen Fahrspuren, quer durch die karge Landschaft. Dabei gibt es nicht nur eine Spur sondern oft viele nebeneinander, die ungefähr in die gleiche Richtung führen. Wir haben grossen Spass daran, mit dem Panda durch diese Spuren zu pflügen und verbringen den Tag mit vielen Stopps, um mit der Drohne oder den Kameras die Stimmung einzufangen.

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Finde den Panda.
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Dafür haben wir ja schliesslich einen Schnorchel montiert.
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Mondi hüpft vor Freude.

Abends suchen wir uns wieder ein Stück der unendlich grossen Steppe für unser Nachtlager aus und kochen uns das zweitletzte warme Abendessen. Pasta mit Tomatensauce.

Kilometer 16’876

Um ein Pastagericht mehr aus den Gaskartuschen heraus zu kitzeln, entschliessen wir uns, das morgendliche Porridge kalt zu essen. Dabei lassen wir über die Nacht die Haferflocken im Wasser einweichen und stellen die Pfanne ins Vorzelt, mit der Hoffnung, dass das Wasser über Nacht nicht gefriert. Am Morgen wird die nur leicht angefrorene Brühe mit einem Glas Aprikosenkonfitüre (mit halben Aprikosen!) und sehr viel Zucker aufgepeppt und wir würgen das Resultat brav runter. Dabei werden wir von einem Mongolen besucht, der uns etwas misstrauisch beobachtet. Wir fragen mit den üblichen gestenreichen Berndeutsch was den Herrn bedrücke und finden heraus, dass dieser mit unserer Wahl des Zmorges überhaupt nicht einverstanden ist. Er wirft einem Blick in die Frühstücksschale, rümpft die Nase und zieht den Kopf schnell wieder zurück. Er gibt uns zu verstehen, dass wir Dinge essen, die nur seine Schafe essen würden. Immer wieder schlachtet er pantomimisch ein Schaf und bietet uns an, uns etwas Fleisch zu bringen. Seine Schafherde steht nur wenig entfernt von uns und wir müssen den Hirten fast mit den Händen zurückhalten, dass dieser uns nicht direkt hier frisches Schaffleisch als Porridgebeilage zubereitet. Kurz darauf erscheint noch ein Kollege, der genau so viel Freude an unserem Essen hat und wir lachen zusammen über die skurrile Szene.

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Die Hirten und der Mondi.

Weiter geht die Fahrt und wieder führt unser Weg über sandige Hügel und über weite Ebenen. Einmal führt die Strasse in ein ausgetrocknetes Flussbett. Fäbeler liefert sich hier ein wildes Rennen mit einem Toyota Prius, der ihm dicht an den Fersen klebt. Über mehrere Kilometer poltert und und rutscht der Pändler durch das Kies und den Sand. Dabei zeigt sich erneut ein Nachteil unseres undichten Autos. Wo bisher Regen oder kalte Luft hereingeschlichen ist, kommen nun ganze Schwaden sandiger Luft, die uns in den Augen und im Hals brennen. Für solche Fälle sind wir ausgerüstet, montieren unsere Rally-Brillen und düsen weiter, bis der komplette Innenraum mit einem dünnen Film Sand bedeckt ist. Tschingis-Gold. Überall.

Am späteren Nachmittag suchen wir uns ein lauschiges Plätzchen, um uns einen weiteren Joker in unserem Ernährungsposten zu gönnen: Heute gibt es Pasta mit Pestosauce. Andächtig schweigend geniessen wir den ungewohnten Basilikum-Geschmack und geniessen die Sonne in den Gesichtern und nicken einander nur ab und zu bestätigend zu: Genau so haben wir uns das vorgestellt.

Nach dem Festmahl setzen wir die Fahrt in Richtung Altay fort. Plötzlich wird die bisherige Offroadpiste wieder zu einer perfekten, chinesischen Schnellstrasse und wir nähern uns dem Tagesziel rasant. Kurz darauf schlagen wir das Nachtlager vor den Toren der Stadt auf und werden am nächsten Morgen von einigen wärmenden Sonnenstrahlen geweckt.

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Der Fabern am Morgen.
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Die haben uns wach gegrunzt.

Kilometer 17’107

Wir fahren in das Dorf mit einem grossen Ziel im Kopf. Wir wollen unbedingt diese typischen Motorräder fahren, die wir immer wieder sehen. Jeder Hirte, den wir bisher angetroffen haben und alle, die mit einem motorisierten Zweiräder unterwegs sind, fahren genau das gleiche Modell. Shineray Mustang-5. Muss etwas tolles sein.

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Ortseingang Altay.

In Altay klappern wir also alle Hotels und Unterkünfte ab, in der Hoffnung auf jemanden zu treffen, der Englisch spricht und unser Anliegen versteht. Nach vielen „No, No, No“ und Achselzuckern finden wir schliesslich in einer Autogarage einen Mann, dem wir unseren Wunsch erklären können. Dieser führt uns zunächst zum Basar, wo uns drei Motorräder zum Kauf angeboten werden. Nach viel Gefuchtel und Gerede verstehen die Mongolen plötzlich was wir wollen und organisieren uns drei Motorräder. Wir verhandeln noch etwas über den Mietpreis, ziehen uns alle Kleider übereinander an, die wir finden und setzen uns voller Tatendrang auf die Mühlen.

„,Weiss jemand wie das hier funktioniert?“ meint Fabern, worauf dieser in zwei fragende Gesichter blickt. Niemand ist bisher je auf einem Motorrad gesessen. Die Mongolen, die um uns herum stehen erklären alle gleichzeitig alle Funktionen, wir ziehen unsere Strickmützen etwas fester und hüpfen davon.

Wir verlassen das Dorf und fahren über die Hügel und begreifen langsam die Logik der Gangschaltung und das Lachen in unseren Gesichtern wird immer grösser.

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Töffligang vor Ovoo.

Für einige Stunden düsen wir also über Stock und Stein und geniessen das neue Fahrgefühl. Natürlich muss der grösste Hügel komplett erklommen werden, wir fahren steil nach oben und posieren dort für die obligatorischen Drohnenaufnahmen.

Töfflibuben auf Hügel
Die Töfflibuben sind ganz stolz.
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Mätteli mit monglischem Schutzlismer und russischem Sturzchäppi.

Für einige Stunden fahren wir so durch die Gegend, bis uns die Hände vom verkrampften festklammern am Lenker schmerzen und fahren am späteren Nachmittag erschöpft und glücklich ins Dorf zurück. Die Vermieter biegen die durch unsere Stürze verbogenen Schutzbleche wieder zurecht und wir setzen uns wieder in den Panda, fahren etwas aus der Stadt heraus und stellen die Zelte in der Mitte einer grossen Ebene auf.

 

Kilometer 17’140

Der Morgen ist windiger als auch schon. Der Blick rund um unseren Zeltplatz offenbart wieso: Wir haben es geschafft, im Umkreis von mehreren Kilometern den höchsten Punkt zu unserem Schlafplatz zu machen. Ohne Absicht, schwör. Zum Zmorgen gibt es Nesquik, weil wir vergessen haben, Porridge einzuweichen um unsere vom Winde verwehten Gemüter nicht noch mehr zu belasten.

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Auch etwas für’s Gemüt: Panda mit Kamelen.

Heute soll es ausnahmsweise wieder mal eine grössere Etappe sein, da die Strassen ausgezeichnet sind und wir wegen der Töfftour vom Vortag einige Kilometer gutmachen wollen. Das klappt auch wunderbar, lediglich verbrauchstechnisch sind wir nicht so gut unterwegs. Starker Gegenwind und die aerodynamisch suboptimale Situation auf dem Dach des Pandas verunmöglichen ein Fahren im fünften Gang. Also Pedal to the Metal im Vierten, dafür die Musik etwas lauter.

Auf dem perfekten Asphalt kommt schon fast Langeweile auf und wir vermissen die sandigen Holperpisten, die unsere Mundwinkel nach oben drücken würden. Daher ist es eine willkommene Abwechslung, als uns ein Automobilist mit plattem Reifen am Strassenrand heranwinkt. Mondi tut etwas für das Karma und wechselt ihm das Rad.

Mitten im Nirgendwo taucht eine sonst aus Russland bekannte Skulptur auf, die ein neues Rayon/Verwaltungsgebiet/Dorf ankündet. Gut genug, um davor für ein Foto zu posieren. Gerade als der Selbstauslöser das nächste Foto ankündigt fährt ein Auto auf uns zu, dass verdächtig nach Mongol Rally aussieht. Der Toyota Yaris hält an und es steigen zwei englische Automechaniker aus. Sie seien bereits vorgewarnt worden, dass sie heute möglicherweise einem Panda mit Dromedarschild begegnen würden. Zwei Deutsche in einem Lada Niva, die wir am Tag zuvor bei der Autogarage getroffen haben, haben den Briten Vorschusslorbeeren Bescheid gegeben.

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Der Penner, der Poser und der Lismerkrieger.
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Der Übermotorisierte und der Untermotorisierte.

Der Yaris ist allerdings viel zu übermotorisiert für die Mongol Rally. „Not our thing“ lassen uns die Beiden wissen. Sie seien halt einfach Petrol Heads auf dem Weg nach Tokio, um sich die dortige Drift-Szene anzuschauen. Ihre Durchschnittsgeschwindigkeit liege bei etwa 100 km/h. Wir schauen etwas verlegen auf unseren Panda, sind jedoch eigentlich ganz zufrieden mit unserer Reisegeschwindigkeit. Der Pandino will uns mehr Zeit lassen, um die Landschaft zu geniessen

Einige Kilometer weiter verlassen wir den Asphalt, da wir rechterhand einen vielversprechend schönen See erblicken. Da ist sie wieder, die so sehnlich vermisste holprige Sandpiste. Nach ca. sechs Kilometern erreichen wir das sumpfige Ufer des Sees. Es ist allerdings so kalt, dass wir auf’s Kochen verzichten und stattdessen auf Brot und Wurst im Auto umsteigen. „Git itz haut öppis Eifachs“ meint Mätteli.

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Der obligate Mongole, der unser Camp besichtigt, prüft unsere Wüstenbrille.

Kilometer 17’555

Als Mätteli kurz aufsteht, um Zucker und Confiture fürs Porridge zu holen, ist die Wetterlage noch ok: Etwas kalter Wind und einige Regentropfen begrüssen unser Lager. Der kalte Porridge schmeckt wunderbar und alle dösen noch einmal ein – bis ein starker und eisiger Wind an den Zelten rüttelt. Wir beschliessen, aufzubrechen sobald der Wind nachgelassen hat. Der Wind lässt nach, dafür setzt Regen ein. Ok, sobald der Regen aufgehört hat. Der Regen lässt nach, dafür setzt Schnee ein. Jetzt wird’s allen zu bunt. Eingepackt in den mongolischen Lismern packen die Drei die Zelte ein und rumpeln durch den schneebedeckten Sand zurück zur Hauptstrasse. Kurz davor stoppt Fäbeler den Panda. Er hat ein neues Objekt der Begierde gesichtet. Diesmal mit weniger Fleisch, dafür umso imposanter. Wir nennen sie liebevoll Furka.

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Sommer, Sonne, Kaktus Sand, Schnee, Kälte.
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Hallo Furka.

In Chovd machen wir Halt, um Brot zu kaufen. Dann fahren wieder aus der Stadt heraus. Muss sicher schön sein. Vielmehr begeistert uns die ständig wechselnde Landschaft, die uns immer wieder dazu bewegt, den Panda an den Strassenrand zu stellen und die Dokumentationsmaschinerie (Foto, Video, Drohne) anzuwerfen. Sogar im leichten Schneetreiben schickt Fäbeler den roten Summer raus.

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Eine der vielfältigen mongolischen Landschaften.

Das heutige Tagesprojekt liegt aber noch etwas weiter entfernt im Osten auf über 2’000 Metern über Meer: Schöni Res hat uns Koordinaten und Bilder von einem Adlerzüchter geschickt. Bei tiefem Sonnenstand erreichen wir besagtes gemauertes Hüttli kurz hinter einem Pass. Wir zeigen Vater, Mutter und Sohn die Bilder und besonders der Kleine platzt fast vor Freude. Natürlich wollen auch wir Fotos mit der Familie machen, der Vater lässt sich nicht lumpen und holt seine schönsten Kleider für sich und seinen Sohn heraus. Nach dem Fotoshooting wird uns grosszügig aufgetischt. Die Ungewissheit über das Aufgetischte Vorfreude auf Pasta der drei Lismerfritzen bremst den Gastgeber etwas aus. Aber er offeriert uns statt Znacht und Schlafplatz auch sehr gerne Tee und Gebäck. Der Tee wird mit Milch und Salz serviert. Gewöhnungsbedürftig. Auf den Adler angesprochen muss uns der Vättu leider enttäuschen, er habe ihn nicht mehr, verweist aber auf das Eagle Festival, das in einigen Wochen Ölgii stattfinden wird. Soviel Zeit haben wir leider nicht. Henu.

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Mongolische Familie in den besten Kleidern.
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Der Kleine kommt ab den Fotos nicht aus dem Staunen raus.
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… und will noch mehr Fotos.
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… und noch mehr. Er prüft, ob auch alle seine Pose mitmachen.

Der Schlafplatz liegt heute auf einer Ebene, die wunderbar im Abendglühen leuchtet. Die Gasreserven reichen nicht mehr für eine Pfanne Teigwaren. Enttäuschung macht sich breit, ausser bei Mondi: Er hat die erlösende Idee: Unsere Asiatischen Ramen-Suppen brauchen nämlich nur heisses – und nicht kochendes – Wasser. Glückselig löffeln wir die Nudeln runter und legen uns dann bei eisiger Kälte in die Zelte.

 

Kilometer 17’748

Eine der wohl kältesten Nächte liegt hinter uns. Schlaf haben wir nur in kurzen Phasen gefunden. Das Wasser in den Kanistern ist gefroren. Es muss wieder etwas für’s Gemüt her: Unsere Wahl fällt auf den Tannenspitzen-Honig, der uns Baptiste mitgegeben hat. Merci Baptiste, selten so etwas feines gegessen. Nur schade, dass unser Brot die Konsistenz eines Backsteins hat. Die Ebene rund um unseren Schlafplatz ist so schön, dass Fäbeler schon nach drei Minuten Fahrt einen Fotohalt einfordert. Sandpiste, tiefes Licht und ein spulender Panda geben halt schon ein gutes Sujet her.

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Backsteinbrot, Kaffee und Tannenspitzen-Honig.
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Panda, aufgewirbelter Sand und grinsender Momo.

Die Strasse liegt mit perfektem, sehr neuem Asphalt vor uns und wird nur durch die bekannten Erdwälle unterbrochen. Teilweise können wir die mit dem Pändeli gekonnt umfahren oder wir müssen die Strasse jeweils verlassen, einige Kilometer parallel dazu auf Schotterstrassen fahren, bis ein neuer Zugang zur guten Strasse gefunden wird. So geht das Spiel weiter, bis wir Ölgii erreichen. Hier nutzen wir die Chance und fragen uns durch die EInkaufsstrassen bezüglich Gaskartuschen durch. „No, don’t have“ Ein Versuch war’s wert. Wir kaufen also wieder Brot, Chillisauce und Ramen-Nudeln.

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Neuer Asphalt mit neuwertigem Panda.
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Obligates Ortseingangsfoto in Ölgii mit interessantem gelben Farbtupfer an der linken Säule.
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Hat nichts mit Essen zu tun: Pferdeherde, die wir unterwegs antreffen.

Nach kurzer Fahrt in Richtung Grenze richten wir unser letztes Zeltlager in der Mongolei ein. Ein wunderschöner Platz direkt an einem kleinen See tröstet uns etwas über die Tatsache hinweg, dass unser Mongolei-Trip mit grossen Schritten dem Ende zu geht. Im warmroten Abendlicht stellen wir die Zelte auf und machen uns an das Projekt Abendessen. Wir lesen die Wassermenge, die für unser Ramen-Znacht erforderlich ist auf den Packungen ab, nehmen davon etwas weniger und versuchen es mit der schwachen Gasflamme etwas auf Temperatur zu bringen. Nach langem Warten einigen wir uns, dass etwas über der Körpertemperatur ja eigentlich auch schon warm ist und wir schütten Wasser und Nudeln zusammen. Weil nun kräftiger und sehr kalter Wind eingesetzt hat, nehmen wir das Festmahl im Panda ein, schlürfen glückselig die lauwarme Masse runter und fühlen uns wie richtige Gourmets.

Nach dem Essen kümmern wir uns um Furka. Diese hängt nun seit einiger Zeit über unserer Windschutzscheibe, hat nun bereits einiges aus der Mongolei gesehen, braucht für die Erkundung weiterer Gebiete dringend ein Bad. Furka lag halb vergraben im Boden als wir zu ihr oder sie zu uns gefunden hat. Dies zeigt sich immer noch durch viel Dreck und Sand, der ihr im Schädel klebt. Von uns drei hat sich bisher niemand gemeldet, der freiwillig diese Überreste zwischen den Knochen hervor grübelt, weshalb wir lieber über eine alternative Reinigungsmethode grübeln nachdenken. Hier am See bietet sich natürlich das Wasser an und wir wollen Furka etwas im kühlen Nass schwenken. Unser Zeltplatz steht aber an einer kleinen Klippe und die Ufer sind zu weit weg, zu sumpfig und es ist kalt und Nacht. Der neue Plan besteht aus einer langen Schnur zwischen Panda und den Hörnern Furkas und Mondis Diskuswerfer-Übung aus der sechsten Klasse in Aarwangen. In hohem Bogen fliegt sie also, die etwas verdutzte Furka, und landet mit einem satten Platschen im eiskalten See, wo wir sie über Nacht baden lassen.

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Eye of the Taiga präsentiert: Impressionen vom wohl schönsten mongolischen Zeltplatz.
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Fare thee well, Lismerbuben.
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So long, Mongolia.

Kilometer 17’976

Die Nacht wird wieder sehr kalt. Die drei Buben legen sich mit den Kleidern in die Schlafsäcke und finden nur vereinzelt Schlaf und werden immer wieder durch das eigene Schlottern aufgeweckt. Nach langem Frieren und Wachliegen macht sich endlich die erlösende Morgensonne bemerkbar und spendet durch das Zelt etwas lang ersehnte Wärme. Wir werden ausserdem von einer Windstille überrascht und kriechen bald aus unseren Nachtlagern und geniessen unser Zmorge mit Seesicht. Das über Nacht eingeweichte Porridge ist leider fast komplett zugefroren und das Wasser, das Mätteli aus seiner Wasserflasche nachkippen will, hat über Nacht ebenfalls seinen Aggregatzustand geändert. Im Zelt. War also wirklich kalt. Wir hämmern das Porridge also zu einer Art Glace und verfeinern das Ganze wie gewohnt mit Zucker und Tannenspitzenhonig. Wir geniessen die Sicht über den spiegelglatten See, unsere Blicke folgen der weissen Schnur, die im tiefen Teil des Wasser verschwindet, lassen die Sonne auf unsere Schnäuze scheinen und geniessen unser eher spezielles Zmorge trotzdem.

Nach dem Essen holen wir Furka aus ihrem nächtlichen Wellnessbad, diskutieren kurz ob sie jetzt mehr oder weniger dreckig ist und montieren sie wieder prominent vorne am Autodach und fahren die kurze Strecke bis zur Grenze.

Kilometer 18’043

Dort werden wir von einem geschlossenen Tor begrüsst und der Aussage, dass jetzt gerade Cay-Zeit sei und die Beamten erst in einer Stunde zurück sein werden. Das Wetter ist schön, die Sonne scheint, der Wind zeigt sich nicht und so geniessen wir einige Sonnenstrahlen und vertreiben so die letzte Kälte der Nacht aus unseren Körpern. Als dann die Beamten von ihrer Pause zurück kommen, geht der Grenz-Zirkus wieder los, den wir bereits gut kennen und schon etwas vermisst haben. Uniformierte, die wild gestikulierend etwas fragen, wir, die auf Berndeutsch die Zugverbindung zwischen Bern und Thun beschreiben, Beamte, die zufrieden Nicken und uns weiter schicken, Zettel ausfüllen, Zettel abstempeln lassen, den falschen weissen Zettel dabei haben, nicht den länglichen sondern den eher quadratischen möchte die Beamtin haben, zurückgehen und den Zettel organisieren, richtiger Zettel, richtiger Stempel, und mittendrin drei zufrieden grinsende Touristen in ihren Lismern, die bestimmt nichts aus der Ruhe bringen lässt.

Für etwas Aufregung sorgt Furka. Als Fabern einer Grenzbeamtin das Gepäck zeigen soll, bleibt diese nur kopfschüttelnd vor dem Auto stehen, macht ein Foto von Furka und geht wieder zurück. Fabern eilt hinterher und beobachtet, wie das Foto im „quarantene control“ herumgezeigt wird und ernst diskutiert wird. Die Grenzbeamtin kommt kurz darauf mit ernstem Gesicht und mit den abzustempelnden Zetteln und Faberns Pass in der Hand wieder hinaus, wird jedoch von einem Funkspruch aufgehalten. Kurzerhand drückt sie den Zettelstapel einem anderen Beamten in die Arme, der daraufhin etwas irritiert der davoneilenden Beamtin nachschaut. Fabern schnappt sich den uniformierten und erklärt beim hinausgehen auf Berndeutsch, dass alles Okay sei und dass er nur noch seinen Stempel oder was auch immer aufs Blatt machen müsse. Zusammen stehen die beiden vor dem Panda, der Beamte kratzt sich kurz am Kopf und unterschreibt dann das weisse Blatt. Sofort fahren wir zum Ausgang und verlassen somit die Mongolei durch ein etwas rostiges Eisentor. Nach der Grenze folgen einige Kilometer Niemandsland auf mongolischer Seite, wobei ja nun laut Mätteli durchaus interessant wäre, welches Rechtssystem denn nun hier gelten würde, falls denn etwas passierte.

Wir fahren über die äusserst holprige Strasse den Berg hoch und lauschen den letzten Liedern von Lüssus Playlist. Wir haben nun jeden Tag, ohne ein Lied zu überstringen die gleiche Liste durchgehört und, oh Wunder, genau hier, auf den letzten Metern vor Russland hört die Liste auch auf. Das Letzte Wort in der Mongolei hat also Bünes Varazze und so soll es auch hier im Blog sein:

„Was schnäu afaht, hört o schnäu uf!“

11 Antworten auf “Lismerei in der Mongolei: 15’309 km – 18’043 km”

  1. Dir sit super, Gratulation – das isch dr bescht Blogg ever!!!! Ha vori vor luter läse grad ä Termin verpasst.
    Giele, vo itz a wirds immer wie schöner, gniessets, i bi scho chli nidisch uf öies Abetür u luege jede Tag mehrmaus wo Dir schon syt u dürefahret. Witer so…

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  2. viva elsa🐮
    resus ratschläge sind erprobt und weise!👌🏻
    neben cold brew coffee wird cold cooked porridge der nächste kulinarische hit werden🍴👍🏻
    und der new mogolian stile der neuste modeschrei🎉das isch klar – misiebingsstück isch der mättheli-mongol-lismer😉

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  3. Einfach herrlich – der skurrile Text und die wirklich seeeehr atmosphärischen Fotos! Man merkt: irgendwas in euch ist richtig gut daheim in der Mongolei und sehr anpassungsfähig. Obs stürmt oder schneit – die Laune lässt ihr euch nicht wirklich verderben. Welche Genussfähigkeit in den kleinen Dingen liegen… wie lehrreich. Wird euch schon ein wenig überrumpeln, die gefüllte Schweiz dann. Aber ihr habt ja noch 2 Wochen Zeit, um euch nach und nach an den Westen zu gewöhnen… wünsche euch allen 3 Abenteurern, und auch dem tapferen Pändeli, noch eine gute Heimreise. Eine Frage habe ich schon noch: wann verschenkt ihr das Pocketbike? Oder reitet es wieder mit nachhause???

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  4. Aber jetzt wollen’s die Jungs wissen… die fahren durch!! Übermorgen daheim oder was?
    Jedenfalls Stalldrang pur… heim an die Wärme…

    всего хорошего, Приятной поездки!
    Батист

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  5. so guet! wieder sehr spannend und witzig geschrieben-und ihr drei mit stooischer ruhe jeder situation gewachsen! grossartig!
    @resu: du bisch o eifach überall derby! – der punkt auf eingangssäule💪🏻👌🏻beindruckend!
    und jetzt gute rückreise! – aber macht mal pause und esst etwas hutes👍🏻🍴

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