Schlaglochparty nach Almaty: 10’050 km – 12’455 km

Kilometer 10’050

Man könnte ja meinen, dass wenn man aus einem Land ausreist, spätestens ein paar hundert Meter weiter das nächste Zollhüttchen liegt. Bei Tadschikistan und Kirgistan ist dies nicht der Fall. Nachdem wir den Panda die 60 Höhenmeter hochgequält haben, begrüsst uns ein italienischer Velofahrer. Von der kirgisischen Grenze ist weit und breit nichts zu sehen. Momo nimmt beim Panda den Gang raus, damit dieser das Gefühl hat, dass er abgeschleppt wird und lässt ihn den Hügel runterrollen. Die Strasse zum Kirgi-Zoll ist lange, kurvig und schlecht. Das Trio durchfährt Wasserrinnsale strömende Bäche und alle sind sehr dankbar für den eingebauten Schnorchel. Zwei Hügelzüge weiter und eine Lobeshymmne an den Schnorchel später, wird angehalten, um den roten und den blauen Fluss zu fotografieren, an denen ein Murmeli seelenlos seelenruhig schläft. Nach einigen Kilometern und einem Kommentar von Mätteli, dass dies eine der längsten Distanzen zwischen zwei Grenzübergängen sei, erreichen sie den kirgisischen Zoll. Es taucht niemand auf also wird gehupt. Ein bewaffneter Grenzbeamter mit Magazin in der Waffe taucht auf und fängt an sich zu beklagen und seine Autorität auszuspielen. Er scheint sich über das Hupen zu beklagen und befiehlt Momo aus dem Auto auszusteigen. Momo läuft ihm nach bis zu einem Schild auf dem was auf Kirgisisch steht. Der Beamte fuchtelt mit den Armen, zeigt auf das Auto und auf das Schild. Mondi versichert ihm, dass er dies nicht lesen könne, was da notiert ist. Der Uniformierte greift an den Lauf der Waffe und richtet diesen auf die Pändeler. Dann beginnt er über das Nummernschild an unserem Auto rumzunörgeln und dass dieses nicht gut sichtbar ist und er somit nicht erkennen kann, ob es sich hier um Touristen oder Terroristen handelt. Die drei versichern ihm auf Schweizerdeutsch, dass dies wohl das schlechteste Kriterium sei, Touristen von Terroristen zu unterscheiden. Sie strecken ihm die Pässe entgegen aber er meint, es müsse noch kurz gewartet werden. Sein Freund taucht auf und beide fangen mit dem Grenzwachhund, einem Pudel, an zu spielen. Nach einem Angebot von 200$ für das Pocketbike findet ein dritter Grenzbeamter den Weg ins Wachlokal und kontrolliert die Pässe. 150 Sumoringerli ärmer und genervt ab dem genervten Grenzbeamten, passieren die drei Buben die Grenze.

Kirgistan präsentiert sich im Vergleich zu Tajikistan viel grüner und üppiger. Leichter Nebel liegt zwischen den grasbewachsenen Hügeln und nur die sporadischen Jurten erinnern einem daran, nicht durch Schottland zu fahren.

Bis Osch sind es 228 km, zwei Pässe, einmal Tanken und ca. 50 Rosenkranzstreicheleinheiten.

In Osch gibt es das grosse Wiedersehen. Glücklich fallen sich frisch geduschte, nach Rosenfeldern und Kevins Conditioner duftende und Geissböckelige in die Arme und erzählen wild durcheinander, wie alle den Weg nach Osch geschafft haben. Nach einem stärkenden, warmen Abendessen werden alle Kleider gewaschen und alle sitzen beieinander und lauschen gespannt den Beschreibungen aller Erlebnisse der letzten Tage.

In Saray-Tash verabschieden wir uns von Team Columbus und den vier Engländern und schleppen unser total unhandliches Gepäck zu einem Hostel. Ein Backpacker schaut uns schräg an, als wir mit Gemüsekisten voller Kleider und überfüllten Plastikboxen vor der Herberge auftauchen. Das erste Hostel ist leider zu teuer für uns, deshalb sehen wir uns ausgehungert, übermüdet und in Krisenstimmung nach einem billigeren um. Bereits das nächste entspricht zum Glück unserem Budget und wir wollen sogleich das im Preis inbegriffene Nachtessen verschlingen. Als wir erwähnen, dass alle vier kein Fleisch essen, lachten die beiden Kirgisinnen vom Hostel erstmal völlig ungläubig. Dann schauen sie sich ratlos an – was serviert man nun diesen seltsamen Europäern? Wir einigen uns wie immer auf Brot, diesmal mit Butter und Konfitüre. Destiny entdeckt zwei Dosen Erbsen hinter der Theke und zeigt auf diese – nun haben wir Brot und kalte Dosenerbsen, ein wunderbares Essen, da Hunger bekanntlich der beste Koch ist.

Am nächsten Morgen fährt uns ein Kirgise vom Hostel die 200 km bis in die Grossstadt Osch. Die Strassen sind nun sehr gut und wir verlieren rasch an Höhe. Die einzigen Hindernisse sind die unzähligen Schafe, Ziegen und Pferde auf der Strasse. Unser Taxifahrer ist sichtlich stolz wenn er merkt, wie schön wir die aberhunderten eleganten Rösser finden, welche wir alle paar Meter auf und neben der Strasse sehen. Etwas nach der Hälfte des Weges überholen wir einen grossen, schmutzroten Bus und voller Freude winken und rufen wir Team Comumbus ein Hallo zu.

Osch erweist sich als Balsam für unsere Leibe und Seelen: Die Luft ist endlich wieder warm und sauerstoffreich, wir finden ein sauberes Hostel mit Waschmaschine, überraschen unsere Körper mit Proteinen und Vitaminen durch selbstgekochten Linsen und Karotten und können endlich wieder Geld abheben. Kurz darauf treffen neue Gäste im Hostel ein: Es sind tatsächlich die vier Engländer, mit welchen wir im Bus waren! Da sie früher als wir um Obhut gebeten haben, durften sie bis nach Osch mitreiten und haben sich dasselbe Hostel wie wir ausgesucht. Boris ist froh um ein bisschen männliche Gesellschaft, jongliert mit ihnen etwas mit einem Fussball und spielt später mit ihnen Karten währenddessen die Mädels spazieren oder Ukulele spielen. Derweil nähern sich unsere drei Jungs im Panda.

Sie schreiben Destiny und Boris, dass sie es heute auch noch nach Osch schaffen und diese geben ihnen freudig den Namen des Hostels an. Sie verschweigen diese Neuigkeit Fistel und Kevin – es soll eine Überraschung werden. Als der Panda am späten Abend dann auftaucht, sind die beiden dann auch völlig aus dem Häuschen und hüpfen quiekend um die todmüden und matten Jungs herum.

Kilometer 10’306

Frühmorgens müssen die Doblolosen bereits wieder abreisen, da die lange Fahrt nach Bishkek bevorsteht. Etwas später und sehr erholt, machen sich die drei Ingenieure mit dem Panda auf den Weg zu einem Mechaniker. Nach einigem Suchen landen wir bei einem jungen Mann, der etwas Englisch versteht und welchem wir die Symptome des kleinen Italieners näher bringen können. Er verspricht, sich dem Problem anzunehmen und nennt uns einen Abholtermin in ein paar Stunden. Wir nutzen dieses Zeitfenster um Abschleppseil und Wagenheber und einigen Kleinkram fürs Auto zu kaufen.

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Megerli Mätteli auf Einkaufstour in Osch.

Uns gönnen wir einen Kaffee und ein Müesli, welches wir zurück im Hostel unter Tränen der Glückseligkeit geniessen. Nun ist es an der Zeit die Route zu überdenken und neu zu planen. Wir breiten die Karte in der Küche auf dem Tisch aus und fahren mit dem Finger mögliche Strassen ab, während wir versuchen, alles in den zeiltlichen Rahmen des Russland-Visa zu quetschen. Wir haben dieses für den gesamten Monat September und möchten dies auch komplett ausnutzen. Nach einigen diskutierten Varianten und wundgefahrenen Fingerspitzen, steht das grobe Konzept der neuen Route fest:

Am 1. September soll die russische Grenze erreicht werden. Das bedeutet, dass wir die Fahrt durchs Landesinnere Kirgistans streichen und auf direktem Weg nach Kasachstan fahren. Dort werden wir ebenfalls nur drei Tage für 1500 km haben und werden idealerweise die russische Grenze wie gewünscht Anfang September überfahren. Anschliessend geht es weiter durch Sibirien bis zum Ziel in Ulan-Ude. Auf dem Rückweg werden wir dann endlich unser Herzensziel, die Mongolei mit unserem Pändeli durchfahren können.

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Mondi zeigt Mätteli wo Moskau liegt.

Nach diesem organisatorischen Teil kann der Panda beim Mechaniker abgeholt werden. Mondi und Mätteli machen sich auf den Weg dazu, Fabern bleibt zurück im Hostel um die Instagram-Seite des Teams zu aktualisieren. Der Mechaniker, ein Kirgise mit Hosenbund am Brustbein erklärt auf Russisch, was das Gebrechen des Pandas gewesen sein könnte. Der junge Mann erklärt uns darauf in Englisch, dass er den Lufteinlasssensor gereinigt hat, zudem hat er auch noch den Ansaugtrakt besser abgedichtet, dass keine Ansaugluft neben dem Luftfilter vorbeizischen kann. Wir sind zuversichtlich, dass dies das vorläufige Ende der Krankheitsgechichte unseres Pändeli ist.

Nach einer kurzen Nacht trennen wir uns bereits wieder und wir vier Autolosen drücken uns frisch geduscht früh am Morgen mit fünf Kirgisen in einen Sechssitzer, um nach Bishkek zu fahren. Das shared Taxi sei der bequemste und einfachste Weg um in die zwölf Stunden entfernte Hauptstadt zu gelangen, haben wir gelesen. Ein Kirgise hat eine Riesenfreude ab uns Schweizern und lobpreist die Schönheit der drei Frauen. Er fragt Boris, wie er denn heisse. Als dieser mit seinem zentralasiatischen Pseudonym antwortet, hat der Kirgise wieder seine helle Freude und holt ihm sogleich einen Kaffee. Auf die Gegenfrage antwortet er mit „Michael“. Schmunzelnd speichern wir den Namen unseres neuen Freundes ab und als Boris den wegblickenden Kirgisen kure Zeit später mit Michael anspricht reagiert dieser in keinster Weise. Fischti kombiniert deshalb, dass er wohl etwa so Michael heisst wie Boris Boris.

Während der langen Fahrt müssen wir uns immer wieder zusammennehmen, nicht in den gesellschaftlich eher unakzeptierten Rallymodus zu fallen wie zum Beispiel den Beifahrern unsere nackten Füsse ins Gesicht zu drücken. Vielleicht hilft auch die Musik dabei: laut scheppernder zentralasiatischer Pop. Die eher gewöhnungsbedürftige Playlist besteht aus etwa zehn Liedern. In Endlosschlaufe. Für zwölf Stunden. Lustig ist hingegen, dass der Fahrer den Kopf einen seiner zwei Sitznachbaren immer nach unten drückt, wenn die Polizei in der Nähe ist.

Zurück im Hostel kommen wir ins Gespräch mit einem Israeli, der den Pamir mit dem Velo bewältigt hat. Er ist jedoch dermassen gädrig dass wir uns Sorgen um seinen Gesundheitszustand machen. Darauf angesprochen erzählt er sein Leidensweg durch den Pamir inkl. Spitalaufenthalt in Chorogh. Zusammen mit anderen Hostelgästen drängen wir Ihn, unbedingt und umgehend medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Nach unserer nicht-medizinischen Einschätzung (Destiny gehört ja zu den Doblowaisen) dürfte der arme Israeli einen Parasiten bewirten. Diese Geschichte rückt unser Pamirabenteuer in ein anderes Licht und wir sind froh, primär mit technischen Problemen gekämpft zu haben.

Eine stärkende Pfanne Teigwaren gibt den Pandanauten Energie, um einige Kilometer ausserhalb Oschs einen Schlafplatz zu finden. Nach 70 Kilometern werden die Zelte in den sanften Hügeln an der Grenze zu Usbekistan aufgeschlagen. Der Panda macht mit, aber von einem Härtetest zu sprechen, wäre an dieser Stelle übertrieben.

Der nächste Morgen beginnt mit Morgentoilette (den Dreien geht’s besser) und Porridge – ein halbes Kilo Haferflocken werden abbigewurgt gegessen, es soll bis zum Znacht reichen. Das Gepäck wird auf’s Dach gezurrt und los geht die Fahrt in Richtung Bishkek. Mätteli fährt übermotiviert zügig los – die Etappe umfasst ca. 600 Kilometer. Mättelis Fahrstil rächt sich schon ziemlich bald. Mit einem Knall landet die Kochkiste vom Dach auf dem kirgisischen Asphalt und geht in die Brüche. „Di Chischte isch eigentlech scho no gäbig gsy“ meint Fäbu. Also umdenken und umpacken: Kochzeug einzeln ins Auto, Schlafsäcke und Mätteli (die zum Schlafen, wobei die Verlockung gross ist…) aufs Dach. Dies geht für 20 Kilometer gut, dann liegen die Schlafutensilien quer über der Strasse verteilt. Wieder umpacken. Alles was ins Spannset eingefädelt werden kann (Zelte, Schlafsäcke) aufs Dach, alles andere ins Auto – obwohl der Platz schon spärlich ist. Weiter geht’s zügig voran. Bis der Panda von der Polizei gestoppt wird: 65 km/h bei erlaubten 50 km/h. Zufälligerweise wird gleich hinter dem rasenden Italiener ein neuseeländisches Mongol-Rally-Team angehalten, das ebenfalls zu schnell unterwegs war. Die Beweislage ist erdrückend, da die Fahrer das Radarfoto gleich vor Ort begutachten können. So weit so gut, doch dann beginnt das Gezetere. Auf die Frage, ob wir Russisch können antworten wir mit Nein – zur Freude der Polizisten. Denn nun zeigen sie auf irgendeinen Verordnungsartikel auf Russisch mit dem dahintergestellten Bussbetrag: 20000 Som – umgerechnet 300 Franken. Die Fahrer der beiden Autos verwerfen die Hände. Das Druckmittel der Polizisten sind unsere Fahrausweise, die wir bereits abgegeben haben. Gemäss normalem Ablauf müssen Bussen in Kirgistan auf der Bank bezahlt werden, um Korruption zu vermeiden. Diese liegt jedoch zu diesem Zeitpunkt 30 Kilometer in die andere Richtung – sagen die Polizisten. Die Absicht ist klar: Mit dem Erklären des mühsamen Bussbezahlungsprozesses und der Nennung eines exorbitant hohen Bussbetrags erhoffen sich die Polizisten ein gutes Schmiergeld. Zwei junge kirgisische Passanten erklären Momo, der im Panda geblieben ist, wie damit umzugehen ist. Momo mag Trouble. Er schnappt sich Notizbuch und Stift und bittet jeden Polizisten um seinen Ausweis, damit er deren Daten erfassen kann. Nun werden die Polizisten, insbesondere der augenscheinlich wichtigste im weissen Hemd, hässig und drücken den Fahrern genervt die Bussformulare in die Hand, auf Mättelis und Momos ausrufen fügt der Weisshemdige eine weitere Null hinter den Bussbetrag. Es wird kurz laut, den Polizisten zu dumm und die Fahrer erhalten ihre Ausweise zurück, ohne eine Busse zu bezahlen. Wäre dies hier GTA, wären nun 3 Sterne oben rechts zu sehen.

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Mätteli und die Neuseeländer schenken den Polizisten ein müdes Lächeln.

Eine Stunde später, gleiches Verdikt: 65 km/h bei erlaubten 50 km/h. Beweislage erdrückend. Es wird jedoch auf einen anderen Verordnungsartikel gezeigt, der sogar die Passage „0 – 20 km/h“ beinhaltet. Kostenpunkt: 1’000 Som, ca. 15 CHF. Seems legit. Mätteli hat nun die Wahl zwischen Barbezahlung an den Polizisten (a.k.a. Schmiergeld) oder wieder eine halbstündige Diskussion. Das zweimalige Umpacken, die vorangegangene Diskussion mit den anderen Polizisten und die durch den Fahrstil Mättelis die Ermüdung erneut gebrochene Blattfeder haben genug an den Nerven gezehrt: Mätteli steckt dem Mann mit Mütze einen Tausender ins Büchlein und darf dafür umgehend weiterfahren.

Immerhin: Die Fahrt nach Bishkek belohnt die Mannen im Panda mit wunderschönen Landschaften. Je nach Höhenlage wähnt man sich in der Schweiz, in Schottland, oder im trockenen Griechenland. Einzig die Jurten mahnen einen auch hier an den wahren Aufenthaltsort. Wobei gerade in den höheren Lagen wohl keiner der Drei etwas gegen ein „Bergrestaurant Meierisli“ mit Rivella im Offenausschank hätte. Stattdessen werden am Strassenrand Honig, getrocknetes Jogurt und Kymys (vergorene Pferdemilch) in gebrauchten PET-Flaschen angeboten. Zugunsten der sich zwar bessernden, aber immer noch labilen Verdaungsorganen des Teams wird darauf verzichtet.

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Sefinefurgge Kirgistan.

Das Pändeli wird mehrere Pässe hoch- und runter geprügelt und dabei kreischt und scheppert es aus dem Motorraum aber die gefürchtete Warnleuchte oder der Leistungsverlust zeigen sich glücklicherweise nie. Auf der Passhöhe der letzten Bergkette vor Bischkek verschwindet die Sonne und somit das Tageslicht und lässt uns mit den halbzerschlagenen Funzeln des Pandas zurück. Die dunkle und kurvenreiche Strasse mit vielen Schlaglöchern wäre Herausforderung genug. Hinzu kommen jedoch Halsbrecherische Manöver anderer Verkehrsteilnehmer. Vornehmlich Lastwagen inklusive Anhänger donnern neben uns den Berg hinunter, überholen uns in unübersichtlichen Kurven und wir poltern von Schlagloch zu Bodenwelle, sehen durch die zerschlagene und dreckige Windschutzscheibe und dem Volllicht der Entgegenkommenden wenig bis nichts und greifen im Sekundentakt zum Rosenkranz am Innenspiegel.

Spät Abends erreichen wir erschöpft aber unversehrt die Zielstadt. Wir fahren direkt ins Zentrum und stellen den Panda, mangels Parkmöglichkeiten, selbstbewusst auf einem grossen Platz direkt neben ein stehendes Polizeiauto ab. Der darin sitzende Uniformierte lacht nur und beginnt mit seinem Smartphone zu filmen und wir verstehen dies als Parkerlaubnis. Nach einem üppigen Znacht in einem ansonsten leeren Lokal geht die Suche nach einem Bankomaten für Dollar los. Zunächst zu Fuss und später mit den Auto werden verschiedene abgeklappert aber überall zeigt sich, dass nur die lokale Währung bezogen werden kann. Wir verschieben das Geldbeschaffen auf Almaty und somit den nächsten Tag und machen uns auf den Weg Richtung 20 km entfernter Grenze.

Mitternacht ist bereits seit einer halben Stunde vorüber, als wir die Grenze in Sichtweite haben. Ein drittes und letztes Mal versucht sich die korrupte Polizei daran, uns etwas Geld abzuknöpfen. Ein greller Pfiff trillert durch die Nacht und ein kleiner Mann mit grossem Gewehr kommt angerannt. Wir hätten beim Häuschen gerade eben anhalten und nicht einfach weiterfahren sollen. Schliesslich seien sie ja die Polizei. Das sei jetzt sehr „big problem“ und „money money“. Müde tauschen wir im Panda Blicke aus und Mondi schnappt sich bereits routiniert Stift und Büchlein, steigt aus dem Auto aus und meint zum Büblein er solle ihn doch zu seinem „Ober-Baba“ führen. Irgendwie versteht der Polizist und führt Momo und Mätteli in das Büro des Bosses. Dieser wirkt erst etwas überrumpelt ob der Ankunft der Touristen, wittert aber das grosse Geschäft und zückt sofort Formulare und erfindet irgendwelche Gesetzesübertretungen mit dazugehörigen Bussen. Natürlich seien wir bereit alles zu bezahlen, wenn doch der nette Herr seinen Polizeiausweis zücken würde, damit dieser auf das Büchlein von Momo übertragen werden könne. Weil ja bestimmt alles mit rechten Dingen zu und her ginge, soll dies ja kein Problem darstellen. Irritiert und hässig stürmen Momo, Mätteli und der Chef auf Berndeutsch und Russisch gleichzeitig neben- und miteinander, bis der Boss die beiden aus seinem Büro jagt. Zufrieden und ohne einen Sum weniger im Portemonnaie steigen die beiden zu Fabern in den Panda und fahren zur Grenze weiter.

Kilometer 10’985

An der Grenze trennen sich die Wege der Passagiere und des Fahrers wie immer, da beide durch verschiedene Kontrollstationen durchgeschleust werden. Fabern fährt den kleinen Panda also zu den wartenden Fahrzeugen. Der erste Beamte ruft freudig „Tourist!“ und winkt das Pändeli ganz nach vorne.

Dort muss Febeler einige Zettel ausfüllen und wird von den wartenden Fahrern tatkräftig unterstützt. Alle zeigen gleichzeitig mit den Fingern auf eine andere Zeile, rufen etwas auf Russisch, reissen den Stift weg und strecken neue hin. Nach dem Ausfüllen und unterschreiben des Formulares bekommt Febeler vom Grenzbeamten ein kleines quadratisches weisses Zettelchen. Was denn damit sei, fragt Fabern und bekommt als Antwort von allen aus der Runde „bliertsch“ oder sowas zugerufen. Fabern macht in dieser Situation, was er sonst immer tut, schreibt die Autonummer auf den Zettel und reicht ihn dem Beamten. Dieser schaut fragend aus dem Häuschen und verlangt „bliertsch“. Fabern erklärt auf Berndeutsch, dass dies doch nun da stehe, worauf der Beamte den kleinen Zettel abstempelt und zurück gibt.

Bei den weiteren Stationen des Grenzprozesses sind die Beamten immer etwas irritiert wenn sie den Zettel anschauen, aber da er einen Stempel hat, scheint er etwas offiielles zu sein und stempeln ihn jeweils auch. Die Gepäckkontrolle findet in einer grossen Halle statt, wo alle Fahrer ihr Auto neben einem mit Stoff überzogenen Euro-Pallett abstellen und jedes Gepäckstück, jedes Münz und jeden Zigarettenstummel aus dem Auto ausräumen und schön auf dem Pallett anordnen müssen.

Der Zollbeamte fordert Faben auf dasselbe zu tun. Dieser versteht leider gar nicht genau, was der Mann von ihm möchte und streckt ihm nur den Fahrzeugausweis und das kleine abgestempelte Zettelchen entgegen. Der Uniformierte fragt, ob Fabern denn kein Übersetzer auf dem Handy habe. Oder ob er jemanden anrufen könne, der Russisch verstehe. Zuletzt zeigt er pantomimisch vor, wie er Kiste um Kiste aus dem Panda räumt. Fabian begreift leider immer noch überhaupt nicht und erklärt dem Beamten auf Berndeutsch von wo der Cay-Kocher auf dem Dach sei und wie dieser am Besten bedient wird. Genervt lässt der Beamte Faben stehen, kehrt kurze Zeit mit einem Hund zurück, welcher um und halb in den Panda geführt wird. Da dieser ziemlich unbeeindruckt wirkt, seufzt der Beamte, nimmt die Zettel, fragt was denn die Autonummer solle, worauf Faben nur „bliertsch“ sagt. Der Beamte schaut Fabern müde und emotionslos in die Augen, Stempelt die Zettel, ohne den Blick abzuwenden und meint dann „welcome to Kazakhstan“

In der Zwischenzeit füllen Mettel und Mondi einen Zettel aus, welcher Ihnen von einem Baba mit grossem Hut überreicht wurde. Die beiden stellen sich in die Schlange vor der Passkontrolle an und warten geduldig. Plötzlich fängt ein Mutti an hinten zu drücken und Mätteli weist sie höflich auf Berndeutsch hin, dass es nur so schnell geht wie es geht. Das Mutti wirkt empört und beschwert sich bei einem Co-Mutti. Mettel streckt der Passkontrolle den Pass entgegen, macht ein Foto und huscht mit dem „White – Privilege“ gekonnt durch die Kontrolle. Bei Mondi dauert das Ganze etwas länger. Der Grenzbeamte vergleicht Momo mit dem Bild auf dem Pass und blickt immer wieder auf den Computer. Nach ca. 5 Minuten öffnet ein anderer telefonierender Beamter die Kabinentüre und gesellt sich zu ihm und und schaut ebenfalls auf den Computer. Als würden nicht zwei Beamte ausreichen, um Memory zu spielen und zwei Bilder miteinander zu vergleichen, stösst eine Militärfrau dazu und schafft es endlich Mondi auf Englisch anzusprechen. Die erste Frage betrifft die Nationalität. Mondi weist sie auf den Pass hin und gibt ihr zu verstehen, dass die Nationalität üblicherweise der des Passes entspricht. Die drei strengen sich nochmals an und vergleichen die Bilder auf dem Computer mit dem Pass und dem wartenden Mondi.

Schliesslich traut sich die Militärfrau zu fragen, ob Mondi nicht türkischer oder sonstiger asiatischer (pakistanischer) Abstammung sei. Dieser verneint die Frage und verweist sie auf Nordafrika. Nachdem sie sich nach dem Einreisegrund erkundigt und Momo ihr versichert, dass dieser rein touristisch sei, atmeten die Beamten erleichtert auf und setzten den Stempel im Pass und Mondi kann sich wieder Mettel anschliessen, welcher bereits den Geldwechsler nach der Grenze ausgemacht hat.

Kilometer 11’014

Kurz nach der Grenze wird in der Nacht und im hellen Mondschein ein geeigneter Zeltplatz gesucht. Auf einem abgeernteten Getreidefeld findet sich bald ein guter Platz. Routiniert werden die Zelte aufgestellt und erschöpft legen sich Momo, Mätteli und Febern in die Federn. Am nächsten Morgen wird das obligate halbe Kilo Haferflocken reingedrückt, die gebrochene Blattfeder mit Schnur geflickt und der letzte Rest Wasser gefiltert.

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Bett im Kornfeld.

Daraufhin wird die Stadt Almaty mit dem Ziel Bargeld abzuheben angepeilt. Das Verkehrschaos wird mit dem kleinen Panda souverän für unsere Zwecke benutzt, indem wagemutig in jede Lücke gesprungen wird. Bald ist das Zentrum und die erste Bank erreicht. Nach längerem Warten kommt unser Zettel endlich an die Reihe. Die Frau am Schalter kann leider kein Wort Englisch und somit verstehen wir nichts ausser der Kreuz-Geste und dass wir zum nächsten Schalter sollen. Auch dort werden wir nicht gerade nett begrüsst. Nach langen Disskusionen schmeisst reicht sie den drei mühsamen Touris die Karte zurück und die die nächste Bank wird angepeilt. Immer wieder wird erklärt, dass Geld abheben nicht möglich sei. Der Grund kann jedoch niemand nennen. Ein Sicherheitsbeamter schickt den Panda mit seinen Insassen schliesslich in die Filliale im Einkaufszentrum. Dort begrüsst ein Einkaufs- uns Konsumtempel wie er überall auf der Welt stehen könnte die drei Genervten. Es hat tatsächlich eine Bank, bei der ein Zettel gezogen werden muss. Wartezeit: eine Stunde. Schliesslich wird Mätteli zu einem anderen Schalter geschickt, wo die Dame auf Englisch erklärt, dass sie kein Geld geben könne, da auf der TravelCash-Karte kein Name steht. Geld wechseln können man ohne kasachische Identifikationsnummer nicht mehr als 900 $. Aber Geld abheben funktioniere momentan sowieso nicht, da der Bankomat gerade leer sei. Frustriert verlassen Faben, Mondi und Mettel die Filliale, stopfen sich Mall-Fastfood rein und machen sich auf die Suche weiterer Bankomaten. Beim ersten Versuch wird die Karte willkürlich gesperrt, was Mätteli mit einem Telefonat in die Schweiz wieder rückgängig machen kann. Weitere Automaten spucken kein Geld aus, bis schliesslich ein funktionierender wie eine Oase in der Wüste vor den Dreien steht, dessen Bezugslimit ausgereizt wird und das Team als Dengue-Millionäre die Mall verlassen lässt.

Mitten im Feierabendverkehr verlassen wir Almaty um die restlichen Kilometer abzuspulen. Um unser Ziel, die Russische Grenze am 1. September zu überfahren, erreichen zu können, haben wir noch viele und lange Autofahrten vor uns. Im nachmittags-Stop-and-Go winken wir freundlich allen uns zurufenden Kasachen zu, beantworten die „adkuda“-Frage wie immer mit „Schwizaria“ und verteilen fleissig Visitenkarten aus den geöffneten Seitenfenstern hinaus. Als wir die Stadt hinter uns gelassen haben, werden die Strassen wieder schlechter und die 300 km Fahrt zieht sich bis tief in die Nacht hinein. Als endlich die 500 km auf dem Tageskilometertzähler stehen suchen wir uns im dunkeln einen Zeltplatz, was wir auf einem Feldweg zwischen Thymian und Hanf finden und uns erschöpft in die Zelte zurückziehen.

Kilometer 11’536

Der Tag beginnt mit Haferflocken, wenigen Worten über die Verdauung und schon geht die Fahrt weiter. Fäbeler setzt sich ans Steuer und bald holpern, rattern und hüpfen die drei mit dem Pandino durch die kasachische Weite. Nach einigen Stunden geradeaus fahren wirft ein plötzlich auftretender Kreisel Fabern aus dem Konzept. Mätteli schaut auf die Karte, dann auf die Ortsschilder und meint „jaja hier links“. Fabern fährt dann auch links durch den Kreisel hindurch, was den weiter hinten wartenden Polizisten auch auffällt. Genüsslich schlendert der eine Polizist von seinem Wagen zu unserer Strasse und winkt uns lässig raus. Die „documents“ sind nach einigem wühlen im Aktenkoffer gefunden und dem Herrn in blau überreicht. Dieser fordert Fabern auf, ihm zu folgen und sich zu ihnen ins Auto zu setzen. Dort wartet sein Kollege auf dem Fahrersitz und hat bereits ein Blatt weiter ausgefüllt, als es in dieser kurzen Zeitspanne seit unserem Vergehen möglich wäre. Es sieht auf jedenfall sehr offiziell und beeindruckend aus, wie er immer wieder russische Wörter ins russische Formular einfügt und dabei Fabern immer wieder einen vieldeutigen, angestrengten Blick zuwirft. Auf dem Rücksitz hat unterdessen der erste Polizist platz genommen, der mit dem Fahrzeug- und Führerausweis hantiert. Nachdem Faben auf Berndeutsch erklärt hat, dass er kein Russisch verstehe, lädt der Kollege auf dem Rücksitz ein Übersetzungs-App auf sein Smartphone herunter und tippt mit ernstem Gesicht darauf rum. Die beiden reden aufgeregt auf Faben ein, erwähnen mehrere Male „problem“ und „protocol“ und deuten auf den falsch durchfahrenen Kreisel. Der Beamte auf dem Rücksitz streckt Faben schlusendlich sein Handy hin, wo der Übersetzer „you are deprived of your rights“ ausspuckt. Faben macht ein fragendes Gesicht und tippt seinerseits ins Handy, dass die Übersetzung keinen Sinn ergebe. Daraufhin tippt der Polizist wieder, was als „you are deprived of your rights for one year after what we will do“ auf seinem Smartphone resultiert. Wieder gibt sich Fabern unwissend und der Polizist auf dem Vordersitz berührt Fabern am Oberarm, schaut ihm tief in die Augen und macht mit Daumen und Zeigefingern das Geld-Zeichen. Febeler begreift leider immer noch nicht was die lieben Ordnungshüter von ihm möchten und bleibt brav auf dem Beifahrersitz sitzen. Zwischendurch kommentiert er auf Berndeutsch die vorbeifahrenden Fahrzeuge und zählt einige Fakten zu den jeweiligen Automarken auf. Nach insgesamt genau 32 Minuten wirft der Polizist auf dem Fahrersitz Fabern die Ausweise zu und wedelt ihn mit einer genervten Handbewegung aus dem Polizeiauto. Das Wartespiel funktioniert also soweit. Die Fahrt geht weiter und die Strassen werden noch schlechter. Es ist asphaltiert aber immer wieder klaffen tiefe Löcher oder noch schlimmer, ragen fiese Knubbel aus der Strasse an denen der Unterfahrschutz des Panda mehrmals geräuschvoll begegnet. Teilweise kann durch die Bodenwellen und die garantiert nicht mehr funktionierenden Stossdmpfern nur ungefähr 20 km/h gefahren werden. Als die Sonne langsam schwindet macht sich dafür Regen breit. Bald fahren wir mitten durch ein Gewitter und wir sind froh, in dieser weiten Ebene das Auto nicht verlassen zu müssen. Mit einer heftigen Böe verabschiedet sich unser çay-Kocher vom Dach des Panda und prallt scheppernd hinter uns auf die Strasse. Mätteli stürzt sich todesmutig hinaus in den strömenden Regen und sammelt die Blechteile ein, während links und rechts von ihm die Blitze krachend in den Boden schiessen. Zumindest werden wir dies so später zu Hause erzählen. Wir fahren durch das beängstigende Gewitter weiter und erreichen eine Häuseransammlung, wo eines mit „Kafe“ beschriftet ist. Dort ist es trocken, warm und ruhig, also alles was wir während über 10 Stunden in unserer Schrottbüchse langsam vermisst haben. Wir zeigen auf der russischen Karte auf etwas und bald essen wir einen Teller dampfende Nudeln mit irgendwas. Das Tages-Soll von 500 km ist noch nicht ganz erreicht, also fahren wir später noch etwas aus dem Dorf raus um unsere Zelte aufzuschlagen. Schnell finden wir ein ebenes Stück Land, stellen die Zelte auf und verkriechen uns darin, während uns ein leichter Nieselregen auf dem Zeltdach schnell in tiefen Schlaf wiegt.

Kilometer 12’026

Am Morgen ist alles feucht. Das Zelt, der Schlafsack, das Mätteli (höhöhö) und das Aufstehen fällt schwerer als auch schon. Wir raffen uns schlussendlich in einer kurzen, trockenen Phase auf und bereiten das Frühstück vor. Kurz darauf setzt wieder ein leichter Regen ein, weshalb die Kochstelle ins Vorzelt von Mondi und Mätteli verlegt wird. Während wir den Hafer löffelweise runterwürgen rechnet uns Mätteli vor, dass wir pro Person jeden Morgen 800 g Porridge essen würden, wobei diese Information beim Aufteilen der letzten Reste in der Pfanne nicht nur hilfreich gewesen ist.

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Mätteli mit den ersten 400g Porridge.

Mit vollen Bäuchen packen wir die nassen Zelte auf den Panda und können knapp einem anschliessenden Wolkenbruch entkommen, indem wir uns in den Panda setzen und losfahren. Heutiges Ziel: Die Grenze zu Russland. Der Strassenzustand wechselt von schlechtem Asphalt mit vielen Schlaglöchern und Knubbel zu Schlamstrassen, welche die schlechten Asphaltstrassen umfahren. Der Panda wechselt sein Kleid von grün zu braun. Auch die Windschutzscheibe ist kaum mehr als solche zu erkennen. An der nächsten Tankstelle greift Mätteli beherzt zum Fensterschaber und putzt die ganze Scheibe kratzt ein Rechteck von 20×30 cm frei. Rallystyle wie immer. Die Strassen setzten auch unserem geliebten Pandino zu: Mittlerweile muss für die Geradeausfahrt das Lenkrad um 30° im Gegenuhrzeigersinn gedreht werden. Febern meint etwas von Lenkgeometrie und schlechten Vibes Vibrationen, Mätteli und Mondi fragen, ob man nicht einfach das Lenkrad abschrauben und entsprechend gedreht wieder draufschrauben kann.

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Schräges Lenkrad und gerades Sichtfenster.

Wir lassen alles beim Alten und fahren munter weiter Richtung Russland. Nach einem kurzen Tee-Halt in Ösgemen fahren wir in der Abendstimmung an einen Kochplatz. Fündig werden wir direkt am Bahndamm, sehr zu Mättelis Freude. Fäbel beglückt sein Gemüt mit Drohne und Kamera, währenddessen Mondi uns die langersehnte Pasta (Marke Fabianelli) mit Tomatensauce und Käse zubereitet. Im Abendglühen schlingen wir das Mahl begierig runter.

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So stellte sich Fabern die Rally im Januar vor.
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So stellte sich Mätteli die Rally im Januar vor.
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Mondi ist sehr wählerisch bei der Auswahl der Saucenkräuter.

Nun liegen noch 100 Kilometer zwischen uns und der russischen Grenze. Fabern setzt sich ans Steuer und ihn beschleicht sogleich ein ungutes Gefühl. Die Feder hinten links liegt mittlerweile wieder quasi flach und lässt somit keinen Spielraum mehr für Bodenwellen und Schlaglöchern. Zudem kommt er noch einmal auf die Vibrationen zu sprechen. Mondi und Mättel nehmen es mit einem müden Lächeln zur Kenntnis. Als Fäbu in der dunklen Nacht einen unserer Zusatzscheinwerfer einschalten will, bricht die Spannung des kleinen Italieners zusammen. Unser Mann für den Strom – Mätteli – schtüttelt ungläubig den Kopf. Die Verkabelung des Pandas lässt auf das Können eines Maschinenbauers mit 2 Jahren Berufserfahrung in der Elektrotechnik eines Laien schliessen: Der Kabelbaum hängt irgendwo zwischen Beifahrertür und Windschutzscheibe, halbstabil verbunden mittels Lüsterklemmen. Mätteli löst davon ein Kabel und schraubt es wieder an. Der Panda erledigt wieder seinen Dienst. Nur gerade 10 Minuten später kommt der Geistesblitz von Fäbu bezüglich der Vibrationen: Gemäss seinen Erzählungen habe vor langer Zeit ihm einmal in der Schweiz die Radschrauben angelöst und dies habe sich dann etwa so angefühlt wie jetzt. Sofort wird angehalten und siehe da: Vorne Links sind sämtliche vier Radschrauben locker. Also Werkzeugkiste hervor nehmen (die unpraktischerweise nicht zuoberst liegt) und Schrauben nachziehen. Dies mitten in der Nacht an einer kasachischen Hauptstrasse. Bei jedem sich nähernden Auto weichen Fäbu und Mondi sicherheitshalber etwas zurück. Mätteli lauscht unterdessen in der Pandalounge dem rhythmischen Klicken des Pannenblinkers. Wir können nicht ganz glauben, dass die lockeren Radschrauben auf mangelndes Anziehen beim Radwechsel im Pamir zurückzuführen ist. Wir diskutieren über mögliche Gründe und nähern uns unterdessen der russischen Grenze immer mehr. Wir sind gut in der Zeit: Das russische Visum ist erst ab dem 1. September gültig und wir wollen möglichst um Mitternacht einreisen.

Kilometer 12’455

Wir erreichen die kasachisch-russische Grenze um 23:20 und holen uns diverse Stempel ab, damit wir Kasachstan offiziell verlassen dürfen. Wie immer sprechen die Beamten Russisch und wir Berndeutsch. Wir verstehen uns bestens und lachen über den Panda. Fabian verlässt das Land um 23:59, Mättel und Mondi nach Mitternacht und somit offiziell einen Tag nach Fabian.

Uns bleiben nicht all zu viele Eindrücke von Kirgistan und Kasachstan, da sie vor allem im Zeichen einer pannenbedingten Aufholjagd gestanden sind. Wir haben wieder mehr (mühsame) Erfahrungen mit der Polizei gemacht und sind auf weniger interessierte Leute als in anderen Ländern gestossen. Jedoch sind wir sehr angetan von der Natur Kirgistans und Kasachstans mit ihrer Vielfältigkeit – Allein deswegen würde sich wohl ein Besuch in einem anderen Rahmen lohnen. Somit enden die Abenteuer der Stan-Länder. (Mätteli verweist darauf, dass „Stan-Länder“ ein Pleonasums sei und wie der „weisse Schimmel“ so nicht zu gebrauchen sei. Halt die Fresse Mätteli.)

 

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2 Antworten auf “Schlaglochparty nach Almaty: 10’050 km – 12’455 km”

  1. Wahnsinniges Abenteuer, spannend und witzig geschrieben wie immer! Bin froh, dass es euch gesundheitlich wieder besser geht! Alles Liebe euch und schaut dem Pändeli gut – er muss euch noch weit fahren.
    Und nochmals: WO IST SAN MAURO?

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