Kein Wlan in Turkmenistan: 6’122 km – 7’593 km

Kilometer 6’122

Seit heute sind wir in einer neuen Team-Konstellation unterwegs. Meeri musste leider abreisen und hat wie geplant den Flug von Baku nach Frankfurt erwischt. Zuhause wird sie die Rechtschreibung dieses Blogs korrigieren *hust* und ausserdem wieder zurück in den Stollen wandern. Joyce ist ebenfalls wie geplant gelandet und hat trotz vergessenem Visum den aserischen Boden betreten.

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Gruppe mir J
Finde den Unterschied

Warum steht im Titel Turkmenistan, wenn wir doch immer noch in Baku verweilen? Nun, dieses Land benötigt einige Erklärungen und vorgängige Informationen:

Geplant ist, dass wir mit den Autos auf einer Fähre über das Kaspische Meer von Baku (Aserbaidschan) nach Türkmenbaşy (Turkmenistan) reisen. Anschliessend fahren wir quer durchs Land und werden im Norden die Grenze nach Usbekistan überqueren.

Was ist also daran speziell? Eigentlich alles:

Die Fähre

Zur Fähre gibt es nur sehr spärliche Informationen im Internet. Die vorhandenen Daten sind auch eher Mythen und Gerüchte als handfeste Hinweise. Hier ein Muster einer Beschreibung aus dem Internet:

„[…]There is a park with a series of fountians, around the back of there is the entrance to the port where the ferry leaves from. We left our cars there, some of us even camped there. You want to go to the office thats roughly in the middle of the carpark where you will leave your cars. There will be a large (overweight) official looking guy who we nick named „big tony“ as he did remind of us of tony soprano. You want to talk to him about getting tickets. As far as costs go i think it was just over $500US for 3 of us and a car. There is also no real timetable of when the ferry will arrive, we waited 3days for the ferry to arrive.[…]“

Da wir laut offiziellem Mongolrally-Tracking den meisten Teams hinterherfahren, können wir ausserdem auf aktuelle Informationen dieser TeilnehmerInnen zurückgreifen. Momenten ist es hier sehr windig, weshalb die beiden verfügbaren Fähren anscheinend beide im Hafen von Baku stehen. Alle, die bereits auf der Fähre sind, können aber nicht mehr zurück und warten zurzeit in der Eisenbüchse im Hafen. Da niemand weiss, ob oder wann die nächste Verbindung stehen wird, werden wir heute im Verlaufe des Tages zum Hafen gehen und unser Glück probieren. Dort werden wir uns wahrscheinlich in die Reihe der Wartenden einordnen und mit den Mätteli (lol nicht mit Mätteli lol) neben den Autos schlafen. Vielleicht geht es zwei Stunden, eventuell auch drei Tage, bis wir auf der Fähre sind – wir stellen uns auf alles Mögliche ein.

Wenn wir dann tatsächlich eingeschifft(?) aufgebootet(?) angefähret(?) auf dem Ding drauf sind, ist unklar, wie lange die Reise dauern wird. Manche Teams haben 16 Stunden genannt. Andere mussten bei Wasserknappheit fünf Tag in Türkmenbaşy im Schiff am Hafen warten, bis sie aussteigen konnten. Auch hier: Wir sind gespannt.

Gibt es Kabinen? Werden wir auf dem Deck am Boden sitzen? Gibt es Essen und Trinken? Alles wahrscheinlich keine wichtigen Fragen, denn auch hierzu gibt es nicht wirklich verlässliche Informationen.

Turkmenistan

Nach der Ankunft am Endpunkt der transkaspischen Eisenbahn in Türkmenbaşy, haben wir exakt fünf Tage Zeit, um das Land im Norden wieder zu verlassen. Das Land ist Touristen gegenüber „eher abweisend“. Grund dafür ist die Politik des aktuellen Staatsoberhauptes, Staatschef und Regierungschef zugleich, Gurbanguly Berdimuhamedow. Dies war der Leibzahnarzt des früheren, bereits sehr autoritären Machthabers und ist nun demokratisch gewählter Präsident bei einer offiziellen Wahlbeteiligung von 99%. Der frühere Präsident gab sich übrigens den Namen Türkmenbaşy, zu Deutsch „Führer der Turkmenen“. Auch die Hafenstadt Krasnowodsk,(wo wir andocken werden) sowie den Monat Januar nannte er kurzerhand zu Türkmenbaşy, also nach ihm selbst, um. Wie dem auch sei. Der aktuelle Machthaber Gurbanguly jedenfalls regiert über ein Land, das etwa zehnmal so gross wie die Schweiz ist und ca. 5.8 Mio EinwohnerInnen hat, von welchen offiziell 99.9% mindestens eine sekundäre Ausbildung genossen haben. Das Staatsgebiet besteht hauptsächlich aus Wüste und zwei Strassen quer durchs Land. Turkmenistan besitzt die grössten Gasfelder der Welt und mehrere europäische Öl- und Gas-Multis haben Niederlassungen im Land. Die Bevölkerung ist jedoch sehr arm und der Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung ist stark eingeschränkt. Oppositionsparteien sind seit einiger Zeit wieder erlaubt, es hat sich jedoch bisher erst eine einzige und eher unbedeutende Partei gebildet. Hmm. Schwarze Autos sind verboten, da der Chef lieber weiss mag. Als Touristen bekommen wir laut Gerüchten „zu unserer Sicherheit“ einen GPS-Tracker des Geheimdienstes ins Auto. In der Hauptstadt steht seit neustem anscheinend der weltgrösste Fahnenmast. Satellitenschüsseln sind verboten, da diese „die Fassaden verschandeln“. Ausländische Medien gibt es nicht.

So weit so wirr – was bedeutet dies alles aber für uns?

Wir werden uns nach der Abfahrt in Baku für einige Tage nicht mehr melden und wahrscheinlich den Blog nicht aktualisieren können. Handy-Empfang wird voraussichtlich im Land nirgends möglich sein. Unseren GPS-Tracker werden wir aber bei uns haben und die OK-Nachrichten werden weiterhin per Mail verschickt. Falls etwas schief laufen würde, haben wir diesen Kommunikationskanal ebenfalls immer zur Verfügung. Grundsätzlich machen wir uns keine Sorgen, da die Regierung schön dezent dafür sorgen wird, dass wir spätestens fünf Tage nach Ankunft das Land wieder verlassen werden.

Wir sind gespannt auf dieses weitere Kapitel der „-stan-Länder“ und freuen uns, bald im Blog darüber zu berichten.

Projekt Einschiffung

Tag 1

Laut anderen Rally-Teams wird heute Nachmittag eine Fähre beladen. Sofort packen wir in der Unterkunft alles zusammen und fahren zum Hafen. Natürlich gibt es keine Informationen, wo genau der Eingang zum Hafengelände ist. Das haben wir auch nicht erwartet und fahren deshalb frohen Mutes ans Meer um diesen zu suchen. Auf der Karte sind drei verschiedene Hafengelände eingezeichnet, welche wir systematisch abklappern. Beim ersten ist ausser einem grossen Hotel nichts zu sehen. Beim zweiten werden wir zum dritten geschickt, wo wir wieder zum vorherigen zurück gewinkt werden. Beim mittleren Hafen steht nun ein Typ, der mit relativ solidem Englisch erklärt, dass wir doch morgen um 10 Uhr wieder vorbeikommen sollen. Unsere Nachfragen nach weiteren Infos zur Fähre bleiben unbeantwortet. Immer wieder sagt er „no information, no information“. Wir sind nicht sicher, ob er nichts weiss, oder ob er nichts sagen darf. Ändert an der Situation auch nicht viel, weshalb wir uns zurück zur Unterkunft begeben, welche wir vor kurzem verlassen haben.

Nach dem deftigen Abendessen widerstehen nur Mätteli und Febeler dem Drang, das Nachtleben von Baku zu erkunden. Die beiden verzichten auf den Genuss einer Shisha, denn sie haben ihr eigenes Projekt und schleichen sich so mit einer fadenscheinigen Ausrede zurück ins Hostel. Dort angekommen, verschwinden sie mit einem schelmischen Grinsen zusammen im Badezimmer und kommen eine halbe Stunde später stolz wieder hinaus. Beide haben dem jeweils anderen den hässlichsten Schnauzer rasiert, der mit dem vorhandenen Gesichtsbewuchs möglich war.

Romano und Julia

Romano und Julia

Tag 2

Am Morgen machen wir eine Einkaufstour und kaufen etwa 130 Liter Wasser, zehn Brote und etliche Bananen. Die vielen Gerüchte um die langen Wartezeiten auf der Fähre und das Knappwerden von Trinkwasser verleiten uns zu wahren Hamsterkäufen.

Nach typisch Schweizerischer Art bricht bei uns bereits leicht kalter Schweiss aus, als wir mit einer Verspätung von zehn Minuten um 10:10 Uhr wir beim Hafeneingang aufkreuzen. Unsere Nervosität ist natürlich völlig unbegründet und der Beamte 1 vom Tag zuvor erklärt uns, dass wir heute aufs Schiff fahren können. Zuerst müssen wir jedoch beim Schalter 1 die Pässe abgeben.

Kurze Zeit später bekommen wir diese nach einer Zahlung von 40 $ pro Fahrzeug wieder zurück. Sofort kommt der Beamte 2 und schickt uns zum Schalter 2. Dort kontrolliert eine mürrische ältere Frau die Dokumente und gibt diese sofort auch wieder zurück und schickt uns zum Beamten 2. Dieser meint, wir sollen die Autos nun im Hafengelände abstellen, da die Schiffe erst am Abend beladen werden. Nachdem wir im Geländeinneren parkiert haben, erscheint der Beamte 3, welcher uns mitteilt, dass am Sonntag prinzipiell nichts läuft, schon gar nicht eine Fähre beladen oder entladen wird. Wir sollen doch morgen wieder kommen um zu schauen wie es weiter geht. Anhand seines imposanten Hutes erkennen wir in ihm schnell den Alphabeamten. Die Aussagen der Beamten 1 und 2 werden somit offensichtlich hinfällig. Da er während unserem Gespräch lässig an einer Winston Blue gezogen hat, haben wir uns bei der nächsten Gelegenheit sofort damit eingedeckt (CHF 1.40). Wir erhoffen uns beim morgigen, nächsten Versuch, dass wir auf denselben Beamten treffen werden. San Mauro wird hoffentlich dafür sorgen, dass nicht plötzlich einer mit einem noch grösserem Hut daherkommen wird, der dann zum Beispiel Marlboro raucht und unsere Winston Blue nur mitleidig belächelt.

Nacht 1 am Hafen
Hafenstimmung in Baku

Unterdessen haben wir unseren nächsten Eintrag auf der Krankenliste: Destiny verbringt den Tag mit Gliederschmerzen und einem eiternden Auge in Embryostellung in einem Café, gegen Abend kriegt sie notfallmässig eine Kochsalzinfusion und Antibiotika. Damit sie nicht in der windigen Hafenluft schlafen muss, verbringen fünf von uns die Nacht in einem nahen Hostel während Momo, Febeler und Mätteli bei den Autos bleiben, bereit, jederzeit aufbooten zu können. Der Hostelpapa Arash, ein überaus quirliger Iraner, wird sofort noch lebhafter, als er von unserer Herkunft und Destinys Leiden hört – er eröffnet uns, dass er eigentlich selbst Arzt sei, einige Zeit in der Schweiz gearbeitet und sogar eine Schweizer Freundin habe. Er vermisse seinen Beruf und werde sich heute Nacht um Destiny kümmern ob sie dies nun will oder nicht, sie solle ihn wie einen Onkel betrachten. Sofort und mit leuchtenden Augen packt Arash seine Arzneikiste aus und nur Kevins beherztes Eingreifen verhindert, dass unsere Patientin einen zweiten Medikamentencocktail innerhalb weniger Stunden erhält.

Gaumenschmaus auf dem Balkon des Hostels: Später gab es allerdings auch einen kleinen, konservierten Aufsteller. Wir haben die aserische Alnaturastreichpaste „Kürüsü“ entdeckt, die uns so manches Brot in Zukunft in ein Festmahl verwandeln wird und uns trotz allem ein leckeres Znacht auf dem Hostelbalkon ermöglicht hat.

Tag 3

Der nächste Morgen: Leider geht es unserer Destiny mit ihrer destiny, dem sie hier in Baku die Stirn bieten muss, nicht viel besser. Auch der Hostelpapa Arash ist besorgt und unterstützt uns abermals als unversiegbare Teequelle. Wir sind immer wieder aufs Neue erstaunt: Man könnte mit nichts als den Kleidern, die man am Körper trägt, reisen und trotzdem sorgten die Menschen hier mit ihrer unerschöpflichen Gastfreundschaft für Wohlstand in Form von Betten, Duschen, Nahrung und Liebe.

Am Hafen erwachen die drei Schnäuzer zwischen Panda und Doblo. Das Tagesprogramm beginnt mit einem Besuch der Hauptpostfiliale in Baku. Dort muss irgendeine Gebühr bezahlt werden, bevor der Prozess des Einschiffens weiter gehen kann. Im Verlauf des Morgens haben wir bereits wieder verschiedene Informationen bezüglich der Fähre erhalten. Ein Turkmene, der uns angesprochen hat, meinte etwas von fünf bis sechs Stunden, bis irgend etwas passieren wird. Mätteli hat bei seinem Morgenspaziergang zum Pier entdeckt, dass nun eine Fähre vor dem Hafen ankert. Der Beamte 1 am Tor hat etwas von heute Abend 8 Uhr erzählt. Oder Morgen. Wir werden sehen.

Nach dem Besuch der Post und dem bezahlen von einer Strassengebühr (oder was war das nochmal?) von 15 $ pro Fahrzeug, machen wir uns mit dem Zahlungsbeleg wieder auf zum Hafen. Der Beamte 1 am Tor winkt uns freundlich zu einer nicht angeschriebenen Türe weiter. Dort scannt der Beamte 4 die Zettel ein und auf unsere Frage nach der Fähre meint dieser:

„today: maybe. tomorrow, yes“ Beamter 4. Mittelmässige Hutgrösse.

In der brennenden Sonne liegen wir wie trocknende Waschlappen herum. Wir lesen Bücher oder dösen und warten auf Neuigkeiten. Aus dem Hostel kommt eine gute Nachricht: Destiny scheint es nun etwas besser zu gehen.

Mätteli und Febern laufen zum Pier um nach der Fähre Ausschau zu halten. Dort wo am Morgen noch ein Schiff im Wasser stand, sind nun nichts anderes als ein paar ölige Flecken auf dem Wasser zu sehen. Also today maybe eher nicht.

Nach und nach treffen andere Mongolrally-Teams auf dem Parkplatz ein. In den kühleren Abendstunden werden die bisher erlebten Räubergeschichten ausgetauscht, zusammen Kreuzworträtsel gelöst und Selfies mit den Beamten 1 und seinen Kollegen vom Tor gemacht.

Joyces reunited
the Tschöschels are reunited
Grüsel mit Bub
Teamgrüsel mit beeindrucktem Bub

Zwischen Doblo und Panda legen wir die Mätteli (höhöhö immer noch lustig) aus und machen es uns gemütlich.

Nacht 2 am Hafen
Gemütlicher Schlafplatz am Hafen

Tag 4

Mit der Sonne erwachen auch wir auf dem Parkplatz. Fast alle anderen Teams übernachteten in ihren Mietwohnungen oder Hostels. Da sind wir wohl mit dem Rally-Spirit schon etwas weiter als die Anderen.

Nach dem Aufstehen schlendern wir zum Tor (Beamter 1) und fragen ob es Neuigkeiten gibt. Er meint etwas gelangweilt: „oh yes, boarding in 20 minutes“ Wir sind überrascht aber auch etwas skeptisch, da der Beamte 1 mit seinem schlichten Käppi in der Huthierarchie relativ weit unten steht. Nichtsdestotrotz kontaktieren wir unsere Freunde im Hostel und bestellen diese zum Hafen runter.

180 Minuten später ist der Beamte 1 nicht mehr auffindbar. Ein anderer (kleiner Hut) meinte mit ernstem Gesicht, dass um 13:00 Uhr das Boarding starten wird. Der vorhandene Hut gibt uns Hoffnung, die grösse der Kopfbedeckung dämpft die Euphorie jedoch.

Um 13:00 Uhr ist immer noch nichts los. Mätteli geht auf einen neuerlichen Erkundungstrip und trifft einen imposanten Hut. Dieser meint nun, dass um 14:00 Uhr etwas passieren wird. Wir warten weiterhin. Es ist 35 °C. Wir haben Brot und Wasser. Und eine Ukulele. Wir sind glücklich. Unsere Gehirne schmelzen. Ein wenig.

16:00 Uhr, es geht los! Alle Passagiere müssen zu Bussen und nur die FahrerInnen dürfen in den Autos bleiben. Alle laufen durcheinander, suchen Essen was wir vor paar Tagen eingekauft haben, haben alle die Pässe und die Visas? Alle reden durcheinander, die Zollbeamten schreien rum – Hektik pur!

Das Warten auf die Fähre war gleichzeitig ein mühsamer und erholsamer Prozess. Mühsam, weil wir vier Tage in Folge auf Abruf bereit waren aufzuschiffen und die letzten zwei Nächte am Hafen übernachteten. Erholsam, weil alle Gruppenmitglieder genug Schlaf fanden und Destiny wieder gesund wurde. Am 7. August war es dann endlich soweit – zusammen mit sieben anderen Mongol Rally Teams durften wir den langwierigen Prozess der Pass- und Gepäckkontrolle über uns ergehen lassen. Schmunzelnd beobachteten die Einheimischen, wie wir anschliessend ächzend unsere riesigen Wasserflaschen auf Deck schleppten. Unsere Hamsterkäufe stellten sich als unnötig heraus – die Fähre übertraf unsere Erwartungen bei weitem! Sie hatte alles, was unser Herz begehrte: Ein klimatisierter Innenraum, leidlich gutes Essen und sogar Steckdosen (nur das Wlan für Kevin fehlte).

Die Abfahrt verzögerte sich um einige Stunden, da zuerst alle Passagiere manuell erfasst werden mussten. Beim Einsteigen mussten alle ihre Pässe abgeben. Anschliessend machten sich fünf Turkmenen daran, alle Passinformation von Hand auf mehrere Listen einzutragen. Danach musste jede Person einzeln bei ihnen mehrere Zettel unterschreiben und den sehr hohen Preis für die Tickets bezahlen. 1200 $ für unser Team. Die Pässe haben wir nach dem Bezahlen nicht zurückbekommen, die fünf fleissigen Schreiberlinge versicherten uns, dass das dann später in Turkmenistan geschehen würde.

Die Fahrt verlief dann relativ gemütlich, wir vertrieben uns die Zeit mit lesen, Karten spielen und mit anderen Teams quatschen. Als wir nach 31 Stunden zeitgleich mit dem Überlaufen der Bordtoiletten Turkmenbasy erreichten, bot sich uns ein Szenario wie aus einem James Bond Film: Eine schneeweisse, futuristisch anmutende Hafenanlage inmitten von sandbraunen Hügeln mit dutzenden heruntergekommenen, rostroten Frachtschiffen davor. Mittendrin wir, die Exoten, dreissig junge weisse Abenteurer mit ihren aufgemotzten Schrottkarren.

Andächtiges Posieren
Familienfoto mit Baba Berdimuhamedow.

Um 16:00 dockt die Fähre am Pier von Turkmenbasy an. Dann passiert erst einmal nichts. Die TurkmenInnen auf der Fähre, die mit uns auf das Aussteigen warten, liegen noch alle gemütlich rum und signalisieren uns damit, dass nun sicher noch etwas Wartezeit auf uns zukommt. Gut zwei Stunden steht das Schiff reglos im Hafen bis plötzlich Unruhe aufkommt. Die Passagiere räumen ihre Schlafplätze auf und tatsächlich: Die wichtigsten ersten Turkmenen verlassen die Fähre. Wir blicken immer wieder fragend zum Bootsmann am Ausgang, doch der winkt jedesmal energisch ab. Wir müssen anscheinend noch warten. Nach einer weiteren Stunde ist das Schiff bis auf die Rally-Truppe komplett leer. Dann taucht ein Uniformierter auf und deutet uns an, dass wir das Schiff verlassen sollen. Wir fragen nach unseren Pässen und er antwortet genervt mit Händen und Füssen, dass wir diese dann später schon wieder bekommen würden.

Unser Team trennt sich von nun an, da die Passagiere und die Fahrer getrennte Ausgänge haben. Mätteli und Fabern machen sich auf in den Bauch des Schiffes um die Autos zu wecken, die anderen schleppen das überflüssige Wasser und das restliche Gepäck von Bord.

Einreise Turkmenistan


Dieser Blogabschnitt widmet sich den Kuriositäten und dem bürokratischen Wahnsinn, der auf Individualreisende mit einem Auto diejenigen erwartet, die es wagen, die Grenze zu Turkmenistan zu passieren.

Nach dem Verlassen des Schiffes fahren wir in einer Kolonne über das imposante Hafengelände. Alles ist brandneu, die Gebäude strahlen in unnatürlichem Weiss und glänzend goldene Verzierungen und Beschriftungen setzten der skurrilen Szene sprichwörtlich die Krone auf. Uns fällt wieder ein, was wir in einem Reisebericht über Turkmenistan gelesen haben: dass die absolute Lieblingsfarbe des Diktators Präsidenten weiss ist.

Hafen von Turkmenbasy
Einfahrt zum Hauptquartier von Spectre Turkmenistan.

Wir werden von uniformierten und auffallend jungen Männern neben ein Zollgebäude gelotst. Dort steigen wir aus den Autos aus und bekommen zu verstehen, dass wir gefälligst zuerst warten sollen. Nach vielen verstrichenen Minuten wagt es jemand den Beamten zu fragen wann es denn weiter gehen würde. „Ok, go go!“ lautet die Antwort und unsere Jagd nach Zettel und Stempel beginnt.

Wir werden in das Zollgebäude geführt. Dies besteht aus einem langen Gang mit vielen verschiedenen Schaltern und Büros zur Linken und einer Fensterfront zu den dort parkierten Lastwagen zur Rechten. Der Gang ist denn auch bereits gut gefüllt mit Männern mit Schnäuzen, die sich alle energisch mit Formularen, Zetteln und US-Dollar-Noten fuchtelnd an die besagten Schalter drängen. Wir werden zur ersten Türe geführt.

Kontrolle 1

Der Beamte scheint von unserer Gruppe von neun Fahrern etwas überrumpelt zu sein und will, dass wir uns der Reihe nach einordnen. Sein Job ist es, die Informationen unserer Fahrausweise fein säuberlich und selbstredend von Hand auf eine Liste einzutragen. Nachdem alles erfasst wurde, will er unsere Pässe sehen. Wir erklären, dass wir diese auf der Fähre nicht zurück bekommen haben und dass wir die eigentlich von ihnen erwarten würden. Natürlich versteht der Beamte kein Wort Englisch und wiederholt immer wieder „passport, passport“. Sofort schicken wir Mätteli, unseren Sprachkenner, in den Ring. Doch keine Kombination seiner neun Wörter Russisch (Brot, Bruder, mein Name ist Mätteli, Bier, Kartoffel, danke) führt zu einem zufriedenen Beamten. Etwas resigniert schickt er uns zu einem anderen Büro.

Kontrolle 2

Ein Herr im Alter unserer Grossväter sitzt darin und füllt mit sehr überlegten und bedächtigen Bewegungen Formulare aus. Sofort fühlt er sich von unserem Ansturm genervt und macht uns deutlich, dass wir draussen warten sollen und dann nur zu zweit sein Büro betreten sollen. Viele Lastwagenfahrer haben dasselbe vor, weshalb wir zuerst wieder längere Zeit warten müssen. Als dann endlich der Platz für die ersten zwei unserer Gruppe frei wurde, betreten wir voller Vorfreude sein fensterloses und ausser dem überdimensionierten Bild des Präsidenten eher karg eingerichtetes Büro. Lange bleiben wir nicht darin. Die erste Frage betrifft unsere Pässe. Nein, die haben wir nicht. Wieder Mätteli, wieder Unverständnis. Genervt zieht er uns am Arm aus seinem Büro, den Gang hinunter, in einen anderen Raum. Dort wieder Erklärungen, Pantomimen und tatsächlich: Sie scheinen verstanden zu haben. Ein junger Uniformierter führt uns aus dem Zollgebäude hinaus, über das Hafengelände zum Passagierterminal, wo unsere TeamkollegInnen bereits Schlange stehen.

Kontrolle 3

An einem Schalter müssen alle einen kleinen weissen Zettel mit Stempel kaufen. Mit diesem kleinen Zettel kann am nächsten Schalter das Visum abeholt werden. Die Visa kosten 65 $ pro Person, was wir vor Ort bezahlen müssen. Wieder 520 $ unseres Reisebudgets weg. Natürlich werden die Passinformationen alle von Hand auf Listen eingetragen. Zettel werden durchgepaust, abgerissen, teilweise gestempelt und auf verschiedene Stapel verteilt. Wir werden zum nächsten Schalter geschickt.

Kontrolle 4

Hier bekommen wir das Visum in den Pass geklebt. Dies hat der Veranstalter der Mongolrally glücklicherweise für uns im Vorfeld organisiert und uns einen LOI besorgt, damit das Visum am Tag der Einreise gültig wird und nicht an einem fixen, vorbestimmten Tag. Auch an diesem Schalter werden vor dem Zetteleinkleben die Passinformationen auf Zettel und Listen aufgeschrieben. Ja, von Hand.

Kontrolle 5

Klassische Passkontrolle wie an Flughäfen oder sonstigen nicht-EU-Ländern üblich. Ein Mann in einem Glaskasten fragt unzählige Dinge, die wir brav alle mit „Yes“ beantworten und lächeln. Sobald alle neun Fahrer diese Prozedur abgeschlossen haben, sollten wir als Gruppe wieder zum Zollgebäude geführt werden. Als wir einem Uninformierten Uniformierten dafür aus dem Gebäude hinaus folgen, werden wir von einem anderen wieder zurückgerufen. Dieser hat keine Tarnfarben-Uniform und ausserdem schmückt ein äusserst imposanter Hut sein Haupt. Sofort folgen wir dem Ruf der Macht und kehren zum Passagierterminal zurück.

Kontrolle 6

Nachdem man uns einige Minuten warten liess, zaubert der schicke Hut ein weisses Blatt Papier hervor und notiert sich darauf in wackliger Schnürchenschrift alle unsere Passinformationen. Anschliessend warten wir wieder lange Minuten und können danach, und diesmal wirklich, zum Zollgebäude geführt werden.

Kontrolle 7

Dort angekommen, geht das Spiel wieder von vorne los: Besuch des Büros mit den Fahrzeugausweisen und diesmal unseren Pässen. Passinformationen auf Listen.

Zettelausfüllen in Turkmenbasy
Sogar Berdimuhamedow liebt Papier und Stift.

Kontrolle 8

Der Opa im hintersten Büro strahlt, als wir mit unseren Pässen winkend ankommen. Leider sind immer noch einige Lastwagenfahrer am Anstehen und die „Nur zwei Personen in meinem Büro“-Politik wird von ihm streng durchgezogen. Wieder verstreichen lange Minuten, die wir stehend im Gang des Zollgebäudes verbringen. Als wir an der Reihe sind, bittet er uns auf den Stuhl neben ihm, reicht seine furchige, kräftige Hand zum Gruss und stellt sich mit Namen vor. Er erklärt auf Russisch oder Turkmenisch was er nun machen wird, wir verstehen natürlich nichts, aber siehe da – unsere Passinformationen werden zuerst einmal auf eine Liste eingetragen und einige Zettel werden abgestempelt. Anschliessend bekommen wir einen grossen, von ihm in seiner bedächtigen Art ausgefüllten, Zettel ausgehändigt, mit welchem wir dann zu einem anderen Büro geschickt werden.

Kontrolle 9

Veterinary irgendwas steht am Türschild, was der beim Eintreten entgegenschwallende beissende Uringeruch auch bestätigt. „Hello Mister Schweiz“ begrüsst der nette Herr Fabian (dem Mann zuvor ist beim Abschreiben der Passinformationen eine Zeile verrutscht, weshalb auf dem offiziellen Zollformular als Name nun Fabian Schweiz steht). Er fragt etwas, wir lächeln, Stempel aufs Blatt, ein Büro weiter.

Kontrolle 10

Niemand weiss, was im nächsten Büro kontrolliert wird. Der Beamte darin verwendet jedoch als einziger im gesamten Zoll-Zirkus seinen Computer. Abwesend dreht er seinen Bürostuhl vom offenen Solitaire auf dem Bildschirm weg, wirft einen kurzen Blick auf unser Blatt und schenkt uns ebenfalls einen Stempel. Auf zur Bank.

Kontrolle 11

Zum Glück ist die Bank einer der Schalter im Gang des Zollgebäudes. Wir reichen unser ausgefülltes und abgestempeltes Blatt stolz der hinter dem Panzerglas sitzenden Dame. Nicht überraschend will diese unsere Pässe sehen und die Informationen darauf auf Listen abschreiben. Ausserdem wird eine weitere Rechnung fällig: 144 $ pro Fahrer. Wir bezahlen zähneknirschend und erhalten als Dank einige Zettel und Belege zurück. Die Einzelsitzung im Zollbüro steht an.

Kontrolle 12

Darin setzen wir uns auf ein bequemes Sofa und warten, bis ein Beamter, man glaubt es kaum, unsere Passinformationen auf eine Liste überträgt. Ausserdem blättert er mit wichtiger Miene in bestehenden Listen rum. Zu guter Letzt werden einige Zettel durchgepaust und abgestempelt. Wir können es nicht mehr sehen.

Kontrolle 13

Endlich geht’s raus zum Auto. Dort will einer das Gepäck sehen. Die Kontrolle dessen verläuft äusserst nachlässig. Der Beamte fragt, während er die grosse Medikamentenkiste anhebt um in die Kiste darunter zu schauen, ob wir „medicine“ dabei haben. Fabern lässt den Grüselschnauz wackeln und sagt „no, no, just food“, worauf der Beamte das Auto weiter zum Tor winkt. Zum Tor! Die letzte Hürde vor dem Betreten Turkmenistans! Unter den Fahrern kommt Euphorie auf, wir tanzen zu lauter Musik um die geöffneten Autotüren. Es ist mittlerweile 00.30 Uhr.

Kontrolle 14

Der Mann am Ausgangstor sammelt nochmal alle unsere Pässe ein. Wir müssen eine „registration“ durchführen. Der Beamte führt uns ans andere Ende des Zollgebäudes und übergibt die Pässe einem Kollegen. Dieser überträgt die Informationen von Hand auf eine vorbereitete Liste. An dieser Stelle fragen wir uns, ob den Beamten die Lächerlichkeit dieser Abläufe eigentlich bewusst ist. Zurück bei unseren Autos kommt ein Typ in Tarnfarben und, leider, grossem Hut angelaufen, der vor der Ausfahrt von uns einen blauen Zettel sehen will. Selbstbewusst ziehen wir unsere Stapel an abgestempelten Zetteln und Formularen hervor. Aber kein einziger ist blau. Grün, rot, weiss, aber der kleine blaue Zettel ist nicht zu finden. Wir fragen, wo wir diesen denn bekommen würden. Der Hut zeigt auf ein Gebäude, das ausserhalb des Hafengeländes und somit bereits auf turkmenischem Boden steht. Wie wir denn dorthin gelangen mögen, wenn wir für das Verlassen des Geländes jenen blauen Zettel benötigen? Der Beamte überlegt einen Moment und deutet dann an, dass wir zu Fuss rüberlaufen sollen.

Kontrolle 15

Im Gebäude angekommen, betreten wir zuerst die falsche Türe. Wir stehen an der Rezeption eines Luxushotels, wo der verdutzte Portier unsere verzweifelten Fragen nach einem blauen Zettel nicht versteht. Nach kurzer Suche finden wir den richtigen Eingang und stehen an einem neuen Schalter. Die drei dort Sitzenden schauen uns mit grossen Fragezeichen im Gesicht an als wir unser Anliegen erklären. Plötzlich öffnet sich eine Tür etwas weiter den Gang runter und ein Mann deutet wortlos auf ein nicht angeschriebenes Büro, welches wir sofort alle stürmen. Der etwas überrumpelte Mann versteht aber sofort worum es geht. Auf seinem Pult liegen bereits Kopien von den handgeschriebenen Zetteln, die seine Kollegen auf dem Hafengelände früher ausgefüllt haben. Wir verstehen das nicht, geben nur wortlos unsere Pässe, die er natürlich in eine Liste überträgt. Wir bekommen einen weissen Zettel.

Kontrolle 16

Damit müssen wir zu einem Schalter, um pro Person vier Manat zu bezahlen. Weisser Zettel. Sofort flehen wir die Dame an, uns doch einen blauen zu geben. Sie gibt sich unwissend und wir gehen mit dem weissen zurück zum Auto. Der Hut schüttelt den darunterliegenden Kopf und führt uns zurück zum Zollgebäude, wo er uns beim Bankschalter absetzt und wieder verschwindet.

Kontrolle 17

Die Frau am Schalter verzweifelt fast an unserer scheinbar absurden Bitte. Wir wollen doch nichts anderes als den blauen Zettel um das Land endlich befahren zu können. Seelenruhig nimmt sie die Pässe entgegen und füllt einige Zettel aus, die wir unterschreiben müssen. Stempelt diese ab und verlangt nochmal 14 $. Wir fragen warum, verstehen die Antwort nicht, erhalten einen weissen Zettel.

Kontrolle 18

Wieder zurück zum Auto. Der Hut ist verschwunden, der anwesende Beamte meint, dass wir mit diesem Zettel nun wieder zum Gebäude ausserhalb des Hafengeländes gehen sollen. Natürlich machen wir dies sofort, wo die Frau von vorhin ohne Worte die weissen Zettel entgegen nimmt, einige Formulare ausfüllt und Quittungen abstempelt, um uns dann endlich den lang ersehnten kleinen blauen Zettel zu überreichen. Wir schicken einige Kussmunde durch das Gitter zur irritierten Dame und eilen zurück zu unseren Autos.

Und tatsächlich. Wir haben es geschafft! Mit quietschenden Reifen durchqueren wir die Grenze zu Turkmenistan!


 

Ein weiteres Kuriosum ist die turkmenische Währung. Die inoffizielle Zahlungsmethode sind Zigaretten, da deren Import sowie Konsum vom Staatspräsidenten für illegal erklärt wurde. Offiziell bezahlt man mit turkmenischen Manat, welche man entweder für einen Kurs von 1:3.5 $ (von der Bank) oder 1:16 $ (vom irgend einem Typen direkt am Hafen) beziehen kann. Für letzteres haben auch wir uns entschieden. Fabern beobachtet, wie die Lastwagenfahrer halb verdeckt Dollarnoten gegen Manat umtauschen und spricht diese an, wo er denn auch wechseln könnte. Ein türkischer Chauffeur nimmt Faben am Arm und zieht ihn im Zollhäuschen in einen dunklen Bereich. „Dollar and cameras, not good!“ meint er und schielt auf die Überwachungskameras an der Decke. Der Lastwagenfahrer hat aber das Geld nicht selbst, sondern bestellt per Telefon den richtigen Typen. Dieser erscheint nach kurzer Zeit aus einem offiziellen Büro. Abseits der Kamera wechseln nun 50 $ und 780 Mamis den Besitzer, was einem Wechselkurs von 1:15.6 $ entspricht.

Posieren in Turkmenistan
Grüselschnauz hat Fame.
Turkmenen lieben Unterschriften
TurkmenInnen schreiben Sachen.

Kilometer 6’200

Da unser Visum für Turkmenistan nur für fünf Tage gültig ist und der Landeseintritt kurz vor Mitternacht erfolgte, haben wir praktisch einen Tag verloren, den es nun aufzuholen gilt. Wir erinnern uns kurz an die Reiseempfehlungen der EDA für Turkmenistan: Nicht mit dem Auto unterwegs sein, immer einen lokalen Guide dabeihaben und auf keinen Fall in der Nacht reisen. Ähem, ja. Wir steigen also um 2:00 Uhr am Morgen in unsere Fiats und düsen schlaftrunken putzmunter Richtung Ashgabat, der Hauptstadt. Wie bereits in den zwei vorherigen Ländern machen wir auch hier kurz nach der Grenze tierische Bekanntschaften auf der Hauptstrasse. Im Gegensatz zu den georgischen Rindern und den aserischen Gänsen trotten uns hier jedoch Dromedare entgegen.

Achtung Kamel oder sind das Dromedare
Wir mögen dieses Schild. Sehr.

Im Morgengrauen fahren wir zu unserer ersten Turkmenischen Tankstelle. Der Liter Benzin kostet hier gerade Mal 10 Rappen – hier ist definitiv der richtige Ort, um unsere beiden Kanister aufzufüllen. Wäre es. Kanister auffüllen ist in Turkmenistan verboten. Cool.

Schönes Bild vom Präsidenten
Berdimuhamedow weist uns den Weg in die Hauptstadt.

Allen Widrigkeiten zum Trotz und dank intensiven Fahrerrochaden erreichen wir am selben Nachmittag bei brütender Hitze das 570 km entfernte Ashgabat. Obwohl wir bereits einiges über die Hauptstadt gelesen haben, drücken wir uns ungläubig die Nasen an den Autofenstern platt. Ja, wir wissen, dass die Turkmenen ordentlich Kohle mit Erdgas scheffeln. Und ja, wir wissen auch, dass die Lieblingsfarbe des Diktators Präsidenten Turkmenbasy weiss ist. Dennoch fühlen wir uns wie in einer futuristischen, SimCity-artigen Fantasiewelt, als wir die unzähligen weissen Prunkbauten bestaunen, alle im exakt gleichen Stil und bis ins Detail aufeinander abgestimmt. Als wäre die ganze Stadt über Nacht in die Wüste gezaubert worden. Der bizarre Eindruck wird noch verstärkt durch die Autos, welche mit wenigen Ausnahmen alle geschleckt weiss oder strahlend silbern sind. Zum ersten Mal fühlen wir uns mit unserem staubig-grünen Panda eindeutig fehl am Platz. Nichtsdestotrotz hupen und winken uns die Turkmenen aus ihren glänzenden Karossen strahlend an und wollen von uns wissen, woher wir kommen.

Jeder Kreises in Asgabat
Jeder Kreisel ein Kunstwerk.
Asgabat
Fahrt durch weisses Legoland.

Mitten im Zentrum der Stadt parkieren wir in der Mittagshitze von über 40 °C die Autos neben einem Einkaufszentrum und stärken uns in einem Restaurant.  Wir sind alle sehr müde und hungrig, haben die meisten in der Fähre doch nur ein paar unbequeme Stunden lang die Augen geschlossen und sind nun seit fast 40 Stunden wach. Nach dem Essen wünschen wir uns also nichts lieber als einen Ort zum gemütlich Rumliegen und Schlafen. Da Touristen in Turkmenistan eine Seltenheit sind und die Einheimischen anscheinend keine Ferien machen (können? dürfen?), gibt es entsprechend wenig Hostels oder andere günstige Unterkünfte. In der Stadt haben wir nur einige grosse, prunkvolle und natürlich weisse Fünfsternhotels gesehen. Als wir im Schatten eines einsamen Baumes neben unseren parkierten Autos im Rasen liegen und aufgrund unserer Müdigkeit etwas genervt und destruktiv den weiteren Verlauf diskutieren, spricht uns ein Einheimischer mit passablem Englisch an. Wir erzählen woher wir sind wohin wir wollen und äussern unseren Wunsch nach einem gemütlichen Ort zum Ausruhen. Er schlägt den nahen See vor und sagt, dass es kein Problem sei dort zu schwimmen und einen ruhigen Nachmittag zu verbringen. Wir raffen uns dankbar auf, sitzen in die superheissen Autos und fahren über den glühenden Asphalt wieder aus der Stadt heraus.

Der Schweiss läuft uns in Strömen runter und wir transpirieren die Kleider, die wir schon einige Tage tragen, erneut komplett voll. Wasser haben wir dank unserem Hamstereinkauf in Baku immer noch ausreichend und schütten es dann auch literweise in uns hinein. Nach einer einstündigen Autofahrt erreichen sehen wir den See. Von weitem. Die Strasse, die zum Ufer führt, ist durch einen grossen und unpassierbaren Graben unterbrochen. Links und rechts der Strasse ist ebenfalls sandiger Untergrund, der unsere beiden Fiatlis liebend gerne aufessen möchte. Also fahren wir ein Stück zurück und versuchen den anderen Weg einer vorigen Abzweigung. Dieser führt uns holprig zwischen Feldern hindurch und ebenfalls in eine Sackgasse. Wir versuchen es noch einige weitere Male und geben schliesslich frustriert auf. Der See ist nicht erreichbar.

Seesuche in Turkmenistan
Mätteli wird zum fünften Mal der Weg zum See erklärt.

Die Stimmung im Team verschlechtert sich und wir wissen nicht mehr so richtig weiter. Auf der Karte haben wir auch noch einen anderes, in Stadtnähe liegendes, aber viel kleineres Gewässer gesehen. Wir diskutieren, ob wir nun ein Hotel suchen oder beim anderen See unser Glück probieren sollen. Wir zählen unseren Bargeldbestand und entscheiden uns einstimmig, doch noch einen passenden Zeltplatz an einem Gewässer zu suchen.

Kilometer 6’968

Die Sonne steht schon tief am Horizont und wir fahren zurück in die Richtung der Hauptstadt. Wir fahren auf dem einzigen auf der Karte eingezeichneten Weg zum See. Nach kurzer Zeit erreichen wir einen grossen Zaun, der die Strasse beendet. Es ist mittlerweile dunkel geworden. Ein grosser Geländewagen erreicht uns und ein Mann steigt aus. Mätteli fragt diesen, ob hier der See sei und wo wir baden können („Mein Bruder ist Bier“) und der Mann fragt, ob wir denn auch schlafen wollen. Wir bejahen die Frage alle mit einem müden Nicken. Der Mann zuckt mit den Schultern, deutet dass wir ihm folgen sollen und steigt wieder in sein Auto ein. Er fährt den Weg ein kurzes Stück zurück, biegt dann ab und erreicht ein anderes, grosses Eisentor. Wir steigen aus und der Unbekannte erklärt uns, dass dies sein Haus sei und wir doch reinkommen sollen. Auf der anderen Seite des Tores macht sich ein zweiter Mann daran, dieses für uns zu öffnen und nickt uns freundlich hinein. Hinter dem Tor ist ein grosser Vorplatz und ein weiteres Tor zu sehen. Der zweite Mann eilt uns voraus und öffnet auch dieses, was den Weg zum Haus und dessen Vorplatz für uns öffnet.

Staunend erreichen wir den Hausplatz und der erste Mann deutet zu seiner Linken, wo am Vorplatz direkt ein kleiner Pier ins Gewässer führt. Bevor wir irgendetwas sagen können meint der Mann, dass er sicher kein Geld von uns haben wolle und dass wir alle hier schlafen können. Ungläubig stammeln wir nur ein paarmal „thank you, thank you“, der Mann winkt ab und deutet zum Gewässer. Wir scheinen mittlerweile wieder etwas streng zu riechen (einige von uns haben seit fünf Tagen keine Dusche mehr gesehen). Der zweite Mann hat unterdessen bereite seine Badehose angezogen und lässt sich vor uns ins Wasser fallen um zu demonstrieren, dass wir hier gut schwimmen können. Begeistert springen wir sofort alle in den See und können unser Glück kaum fassen. Noch vor 20 Minuten sind wir verzweifelt, verschwitzt, stinkend, müde und im Dunkeln umhergeirrt und plötzlich plantschen wir hier im kühlen Nass. Noch selten hat sich Wasser so erlösend und energiespendend angefühlt. Das Gefühl der Frische auf der Haut, das sanfte Einhüllen des ganzen Körpers, der eingetrocknete Schweiss, der sich endlich ablöst: Wir sind definitiv im Paradies gelandet. Nachdem unsere Lebensgeister wieder zurückgekehrt sind, lassen wir uns ans Ufer zurücktreiben, wo uns der zweite Mann mittlerweile eine Dusche eingerichtet hat. Als einige von uns ihre Kleider darunter waschen wollen, eilt er sofort mit einem Eimer und einer Packung Waschmittel an. Anschliessend verschwindet der zweite Mann wieder und taucht kurze Zeit später mit einer aufgeschnittenen Melone wieder auf. Der erste Mann sitzt unterdessen rauchend auf einem gemütlichen Bett auf der Terrasse.

aslan-serviert-rachim-kontrolliert.jpg
Aslan serviert, Baba Rachim kontrolliert.

Uns ist das Verhältnis zwischen diesen beiden nicht ganz klar. Der erste Mann führt sich als Gastgeber auf, sitzt aber ansonsten eher untätig auf dem Bett oder ruft einige kurze Sätze zum Mann Nummer zwei. Dieser eilt unterdessen ständig zwischen Küche und Terrasse hin und her und bringt uns Essen und kocht Tee, während wir uns nach dem erlösenden Bad abtrocknen und die letzten frischen Kleider anziehen. Falls wir irgendetwas bräuchten, sollen wir nur laut pfeifen und dann käme er, signalisiert er uns. Beschämt und wohl wissend, dass wir dies nie tun würden, nicken wir bestätigend und nehmen einen weiteren Schluck des uns servierten Tee, gesüsst mit Aprikosenkonfitüre. Mann Nummer eins verabschiedet sich derweil und fährt nach Ashgabat zurück. Wir können so lange bleiben wie wir mögen, meint er. Gerade als wir uns fragen, ob wir wohl eine Nacht unter freiem Himmel riskieren sollen, winkt uns Mann Nummer zwei ins Haus und zeigt und das extra für uns eingerichtete Zimmer. Deckchen an Deckchen gereiht. Klimatisiert. Todmüde und unendlich dankbar mummeln wir uns nebeneinander ein und fühlen uns wie gut umsorgte Kleinkinder.

Teamburritos
Glückliche Burritos.

Nach einer wunderbar erholsamen Nacht stehen wir zwischen 7:00 (Tschoiss und Moris für Sunrise-Yoga) und 12:00 Uhr (die völlig übermüdeten Nachtfahrer Febeler und Mättu) auf. Da die brennende Nachmittagssonne nicht gerade zur Weiterfahrt einlädt, nehmen wir die turkmenische Gastfreundschaft noch etwas länger in Anspruch. Mann Nummer zwei heisst mittlerweile Aslan und hat sich als jüngerer Bruder von Mann Nummer eins, Rachim, entpuppt. Der Aufenthalt bei ihm steht im krassen Gegensatz zu vielen Dingen, welche wir im Vorfeld über dieses Land gelesen haben. So besitzen die beiden eine riesige Satellitenschüssel, was unseres Wissens in Turkmenistan verboten ist. Weiter erklärt uns Aslan, dass er nicht studiert habe. Offiziell haben aber 99.9% aller Turkmenen eine höhere Ausbildung genossen. Hmm. Doch damit noch nicht genug. Trotz dem Verbot rauchen beide Brüder fleissig Zigaretten. Unser Tabak ist dem älteren, Rachim, jedoch zu Beginn etwas suspekt und er glaubt uns partout nicht, dass keine „Chemie“ in den getrockneten Blättern ist. Trotzdem lässt er sich das Selberdrehen zeigen und ist schnell davon fasziniert. Aslan hält sich im Hintergrund. Sobald Rachim jedoch weggefahren ist, erscheint Aslan und dreht sich mit flinken Fingern eine Zigarette mit unserem Tabak. Wir verstehen ihre Beziehung immer noch nicht.

Gruppe mit Aslan
Aslan posiert mit Gruppe und Hündin.

 

Nachdem sich die drückendste Nachmittagshitze etwas gelegt hat, machen wir uns auf den Weg zurück nach Asgabat, um die anderen Mongolrally-Teams zu treffen, die mit uns die Grenze übertreten haben. Gestern Nacht, als wir in Turkmenistan angekommen sind, hat ein kanadisches Team (the cozy beavers) vorgeschlagen, dass wir uns „tomorrow at 9 pm“ am zentralen Platz in Asgabat treffen, um gemeinsam zum Tor zur Hölle zu fahren, das ungefähr 270 km von der Hauptstadt entfernt liegt.

Kilometer 7’030

Was meint ihr: Wenn jemand am Morgen um 2 Uhr von „Morgen“ spricht, ist da der gleiche Tag gemeint oder ist das am Tag darauf? Und ist der zentrale Platz in Asgabat der „first park“ oder das Asgabat-Monument, der Lenin-Park *hust*,  das „great patriotic war memorial“ oder die Taras Shevchenko Statue? Wir haben entschieden, dass mit tomorrow einmal Schlafen und dem Zentrum wohl das Asgabat-Monument gemeint ist. Nun stehen wir hier vor der Statue und warten.

Zentrumsdab in Asgabat
Asgadab.

Um Viertel nach neun ist immer noch niemand von den anderen Teams aufgetaucht und wir machen uns alleine auf den Weg. Und wieder sehen wir vor dem inneren Auge die EDA-Empfehlungen vorbeihuschen, als wir etwas ausserhalb der Stadt auf der Strasse ohne Licht den ersten Lastwagen ohne Licht abschiessen überholen. Sofort nach dem Verlassen des weissen Wunderlandes Asgabat wird die Strasse sehr schnell sehr schlecht. Der Panda fährt vorne und seine zwei müden Funzeln leuchten etwa zehn Meter in die pechschwarze Nacht. Unsere supertollen Zusatzscheinwerfer sind leider etwas zu weit vorne montiert, so dass diese nur die sehr dreckige Frontscheibe beleuchten.

Nachtfahrt
Nachtfahrt durch Turkmenistan.

Aus der Dunkelheit kommen wadentiefe Schlaglöcher, entgegenkommende Fahrzeuge ohne Licht und Dromedare (oder sind das jetzt Kamele?) angeschossen. Den letzten zwei kann mit ausreichend Reflexen ausgewichen werden, die Schlaglöcher jedoch sind so unsichtbar und zahlreich, dass ein Aufeinandertreffen unausweichlich ist. Wir poltern also munter durch die Nacht, als der Doblo ein besonders fieses tiefes Schlagloch erwischt. Platter Reifen hinten links. Routiniert wechseln wir das Rad und setzen die Fahrt wieder motiviert fort. Ein Blick auf die Karte zeigt uns, dass das Tor zur Hölle in der Mitte zwischen zwei Tankstellen liegt, die etwa 280 km auseinander liegen. Diese Distanz entspricht in etwa der Reichweite des Pandas. Zum Glück haben wir gut vorgesorgt und schleppen für exakt diese Situation seit 7’000 km zwei Benzinkanister mit uns rum, denken wir uns selbstzufrieden. Doch zu früh gefreut: Kanister befüllen ist in Turkmenistan nicht erlaubt, was der Tankwart uns mit einer vielsagenden Kopfbewegung zu einer der vielen Kameras über den Zapfsäulen erklärt. Wir tanken also die beiden Autos bis zum Überlaufen und versuchen, auf dem Parkplatz nebenan mit einem Schlauch aus den Autotanks Benzin abzuzapfen und in die Kanister zu füllen. So haben wir das zumindest in den Filmen gesehen. Momo beisst in den sauren Apfel und beginnt zu saugen, aber ausser mehreren Mundspülungen mit 92 Oktaner passiert nicht viel. Normalerweise würden wir nun googlen „wie klaut man Benzin“ aber diese Möglichkeit bietet sich leider in diesem Land bekanntlich nicht. Weiter geht die Fahrt und um ungefähr 4:30 Uhr kommen wir ohne weitere Panne, dafür nach zwei überumfahrenen Schlangen an der Abzweigung zum Tor zur Hölle an.

Kilometer 7’210

Ausser einem grauen Strich auf der Karte ist davon nichts zu sehen. Die Dunkelheit ist allumfassend. Kein künstliches Licht weit und breit, ausser einem sehr schwachen orangen Schimmer etwas östlich von uns. Wir finden eine sandige Einfahrt und entscheiden, dass dies der richtige Weg sein müsste. Schnell wird klar, dass der Doblo keine Chance hat, auf diesem Untergrund mehr als ein paar Meter weit zu kommen. Wir quetschen also fünf Leute in unseren dreiplätzigen Pandino und wagen eine Fahrt. Nach zehn Meter setzt Fabern das Gefährt in den Sand. Passagiere aussteigen, rausschieben, nochmal, jedoch im ersten Gang. Siehe da, dank dem mächtigen Puch-Zusatz, der uns von hinten anschiebt, krabbelt sich der kleine Italiener Meter für Meter vorwärts. Ohne Tageslicht ist es nicht einfach, den grossen Steinen auszuweichen und befahrbaren Untergrund zu finden. Wir graben uns kein zweites Mal ein, krachen aber mehrmals mit viel Schwung und mit hässlichen metallischen Krachern in grosse Brocken unter dem Auto. Auf dem Weg begegnen wir einigen hoffnungslos eingegrabenen Mongolrally-Autos, die von ihren Besitzern zurückgelassen wurden. Wir sind also auf dem richtigen Weg. Die wenigen Kilometer Luftlinie entpuppen sich als 30 Minuten nervenaufreibendes Offroadfahren, was der Panda aber vorbildlich meistert. Das orange Glühen wird zu einem Leuchten und auf einmal ist nach einem letzten erklommenen Hügel das Ziel vor uns:

Tor zur Hölle
Das Tor zur Hölle.

Die Passagiere werden ausgeladen und die Fahrt geht zurück, um die Schlafenden Wartenden im Doblo abzuholen. Auch diese Fahrt ist nervenaufreibend, aber mit Ach und Krachendem Aufschlagen schaffen wir es zurück. Passagiere rein, nochmal zurück. Der Panda wühlt sich durch den tiefen Sand, schwimmt von einem Hügel zum nächsten und kämpft sich die Anhöhen hoch. Wieder schaffen wir die Strecke, jedoch lässt sich nicht mehr in den zweiten Gang schalten. Macht nichts, geniessen wir erstmal das Naturschauspiel.

Gruppe mag nicht mehr
Picknickdecken und Feuer.
Gruppe am Feuer
Stolzes Posieren am Krater.

Unser wildes Gehupe beim Ankommen Die aufgehende Sonne weckt die übrigen Mongolrally-Teams, die hier ihre Zelte aufgeschlagen haben. Wir fragen uns gegenseitig, wo wir denn waren, als wir am Asgabat-Monument abgemacht haben. Es stellt sich heraus, dass die übrigen Teams bereits nach dem Mittag losgefahren sind und dass wir „completely out of your minds“ durchaus etwas mutig seien, diese Fahrt in der Nacht unternommen zu haben.

Nachdem die Sonne komplett über dem Horizont aufgetaucht ist, macht sich unter den ausgeschlafenen Teams Aufbruchstimmung breit. Wir wollen den Tag nicht in der brütend heissen Wüste verbringen und schliessen uns ihnen an. Wieder fahren wir die Strecke mit der Hälfte des Teams. Wenn es hell ist, ist die Fahrt nicht mehr halb so aufregend, dafür bietet sich zum ersten Mal der beeindruckende Anblick der turkmenischen Wüstenlandschaft.

Pandas Wèstenfahrt
Panda kämpft sich durch den Sand.
Wüste in Turkmenistan
Sand und Wolken.

Die endlose Sandlandschaft durchzogen mit kleinen braunen Grasbüscheln gefällt uns sehr gut. Wir fühlen uns wie richtige Abenteurer auf diesen unbekannten Pfaden irgendwo im Nirgendwo. Beim Abholen der letzten Gruppe verabschiedet sich die Kupplung des Panda komplett. Wir schieben die Blechbüchse an und würgen irgendwie den ersten Gang rein. Das Schalten erfolgt ebenfalls ohne Kupplung und mit viel Kraft und Geknirsche Gefühl. Zurück beim Doblo und nach nun sechs Fahrten zum Krater und zurück gönnen wir dem Panda eine kurze Pause. Gemeinsam mit den anderen Teams machen wir die Autos wieder bereit für die Schlaglöcher der Hauptstrasse. Wir reissen halb abgefallene Plastik-Verkleidungen ab, andere Teams binden den Auspuff aufs Dach und pumpen die Reifen wieder auf Betriebsdruck auf. Wir hämmern derweil unsere durch das nächtliche Schlagloch verbogene Felge zurecht und Pumpen das Rad wieder auf.

Die Fahrt zur usbekischen Grenze besteht aus weiteren vielen Reifenpannen der anderen Teams. Unsere hingegen bleiben intakt, wir sind wohl besser im Ausweichen. Um unser Karma für den Pamir-Highway vorzubereiten Dem ungeschriebenen Kodex folgend halten wir natürlich jedes Mal an, wenn wir ein einzelnes havariertes Rallyauto sehen und bieten unsere Hilfe an. Stehen mehrere Karren am Strassenrand, signalisieren wir unser Beileid mit Hupen und Winken.

Kopfdurchlüften
Wüstenwind und glücklicher Febeler.

 

17 Kilometer vor der besagten Tankstelle geht dem Panda das Benzin aus: Abschleppen ist angesagt Der Doblo rumpelt bereits freudig im Standgas und lässt sein Getriebe knacksen. Die drei Ingenieure rätseln etwas, wo denn beim Panda das Abschleppseil angebracht werden soll und befestigen es kurzerhand am Unterfahrschutz.

Ingenieure am abschleppen
Die drei jungen Ingenieure haben offensichtlich noch nicht viel Erfahrung im Abschleppen.

Kilometer 7’593

Kurz nach dem Tanken erreichen wir die gefürchtete Turkmenistan-Usbekistan-Grenze. Wir kommen knapp vor dem Ende der Öffnungszeit dort an und werden komplett positiv überrascht. Auf der turkmenischen Seite beschränkt sich das Pass-auf-Zettel-Schreiben auf drei Stationen und die Beamten sind alle nett und wollen uns so schnell wie möglich weg haben, um Feierabend zu machen. Die Usbeken sind ebenfalls alle sehr freundlich und wir werden kaum kontrolliert. Das Gepäck kann im Auto gelassen werden und die im hintersten Winkel versteckte, in Usbekistan verbotene Drohne, bleibt unentdeckt. Wir antworten auf die Standardfragen „you have medicine, drone?“ immer wie immer mit „No.“ und die Beamten sind zufrieden. Ein Uniformierter hat aufgeschnappt, dass Mätteli etwas Russisch kann und möchte dies von ihm bestätigt haben. Als Mätteli dies bejaht, fragt der Beamte ihn, ob er in dem Fall ein Gewehr besässe. Auch dies können wir verneinen und werden durch das Tor ins Land gelassen.

Salem Aleikum O’zbekiston.

 

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15 Antworten auf “Kein Wlan in Turkmenistan: 6’122 km – 7’593 km”

  1. Hi zusammen, danke, danke, danke für Euren Blog, welcher so toll mit Infos vollgepackt ist und so schön zu lesen!!

    Ich bin auf der Suche nach dem Team Fast & Fabulous. Das letzte, was ich gestern morgen hörte, war eine SMS von der Fähre. Der Start mit der Fähre in Baku war Mittwoch, 23:30 Uhr, gegen 1 Uhr hieß es, das Wetter sei schlecht, sie müssen ankern. Bis gestern saßen alle auf der Fähre fest, ohne weitere Infos. Die Fähre hatte kein Trinkwasser mehr und die Kantine wurde knapp.
    Seitdem habe ich nichts wieder gehört, das Telefon ist aus und ich finde Fast & Fabulous nicht im Tracking. (Das funktioniert sowieso nur sehr bescheiden.)
    Habt Ihr die drei Mädels vielleicht gesehen oder von anderen gehört, die auch auf dieser Fähre verweilten?

    Würde mich riesig über ein kurzes Feedback freuen.

    Euch weiterhin eine tolle Zeit auf Reisen und alles Gute für die Rally! 🙂

    Liebe Grüße aus Berlin
    Barbara

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    1. Hallo Barbara! Schön, dass dir unser Blog gut gefällt!
      Wir haben von anderen Teams gehört, die ebenfalls auf der Fähre festsitzen. Nach unserer Information, konnten die Fähren den Hafen von Baku wegen starkem Wind nicht verlassen. Alle Passagiere mussten aber auf dem Schiff auf die Abfahrt warten.
      Betreffend dem Team Fast&Fabulous haben wir im offiziellen Mongolrally-Gruppenchat nachgefragt aber keine Antwort bekommen.
      Ein Sicherheitsbeamter am Hafen hat uns gestern gesagt, wir sollen heute Morgen wiederkommen. Er wollte aber nicht sagen, ob und wie viele Fähren fahren würden. Der Wind hat aber heute gemäss unserer Beobachtung stark nachgelassen, evt ist die Fähre mit Fast&Fabulous nun unterwegs im Funkloch nach Turkmenistan.
      Liebe Grüsse
      Team Eye of the Taiga

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      1. Guten Morgen Team Eye of the Taiga! Vielen lieben Dank für die schnelle Rückmeldung und das nachhaken. Ich hatte nur Sorge, da diese Fähre wohl schon unterwegs war, dann stoppte und die Stimmung auf der Fähre wegen Null Informationen und wenig Verpflegung kippte.
        Toi toi toi für Eure Überfahrt! Ich trinke jetzt einen Tee und warte weiter auf ein Zeichen 🙂
        Liebe Grüße
        Barbara

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  2. Die turkmenische Grenzodyssee hätten Samuel Beckett oder Harold Pinter perfekten Stoff für eines ihrer absurden Theaterstücke geliefert. Meret, übernimmst du an ihrer Stelle für die Saison 2019/20 am THEATER an der Effingerstrasse?!
    Euer Blog mit den spannenden Geschichten und denkwürdigen Begegnungen mit Menschen einer andern Welt hat Suchtpotential und verdrängt die Lektüre der „NZZ am Sonntag“ klar auf die hinteren Ränge! Und immer wieder fantastische Fotos, die uns eure Eindrücke aus der Ferne auch optisch miterleben lassen! Macht weiter so – fare thee well!

    Gefällt 1 Person

  3. Hallo zusammen
    Diese Fahrt in der Nacht, einfach Adventure pur. Natürlich schon etwas verrückt, aber Feble ist es ja gewohnt von anderer Gelegenheit, fehlt eigentlich nur noch der Nebel …

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  4. Einfach genial euer Blog und sehr amüsant zu lesen. So können wir auch ein bisschen dabei sien 😉 wünsche euch weiterhin eine gute pannenfreie Fahrt!

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